Freitag, 16.November 2018










Das Interview mit Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer

Das folgende Interview hat Peter mit Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer (BJHW) per E-Mail geführt. Sie war so freundlich, sehr ausführlich auf die Fragen zu beantworten.
Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer ist 43 Jahre alt und politische Journalistin in Stuttgart und schrieb insgesamt 16 Bücher ("??? verraten Tips und Tricks" mit einbezogen).

Last Update: 27.09.01

 

Wie alt sind Sie und wo wurden Sie geboren ? Ihr jetziger Wohnort ist...

Ich bin 43 Jahre alt, in Wien geboren, seit 1980 in Stuttgart und seit einem Jahr zeitweise auch wieder in Österreich (Bad Ischl).

 

Ihre erste ???-Folge...

Mein erstes Drei-???-Buch war Tatort Zirkus, und die Entstehungsgeschichte war ungewöhnlich. Ich habe mir gemeinsam mit meinem Mann rund 20 verschiedene Plots ausgedacht - viele sind später in Bücher umgesetzt worden, manche nicht (zum Beispiel eine Hacker-Geschichte rund um einen Sektenchef, ein Fall rund um ein Überlebenstraining in der Mojave Wüste, ein Go-Kart-Fall, der in der Formel-I endet oder eine Rodeo-Betrügerei. Die Plots - jeweils einige Sätze, wo das Buch spielt und worum's geht - haben wir dann Kindern im LeserInnenalter vorgelegt und bewerten lassen. Zu unserer großen Überraschung hat Tatort Zirkus und nicht eine Sportgeschichte oder ein Fantasyfall die meisten Punkte bekommen - und so wurde, ganz dem LeserInnen-Wunsch entsprechend - Tatort Zirkus auch als erstes realisiert.

 

Ihr Lieblings-Henkel-Waidhofer-Buch...

Das sind drei - passend zu den drei ??? - eben: Tatort Zirkus, weil's das erste war (und es ganz schön aufregend ist, zum ersten Mal einen Jungendkrimi zu schreiben), Fußball-Gangster, weil ich zufrieden bin mit der Krimihandlung, mit der Rolle der Mädchen und der Tatsache, dass das Ganze auf sehr realen Gegebenheiten in den USA basiert. Und nicht zuletzt: Geheimnis der Särge, weil's in Höhlen und Katakomben spielt, die's wirklich gibt - auf der Schwäbischen Alb und in Wien, wo ich ja herkomme.(Und die Eisdiele, in der sich die Drei ??? treffen, gibt's auch, und dort entsteht das beste Erdbeer-Eis der ganzen Welt!)

 

Warum haben Sie 1997 aufgehört für Kosmos zu schreiben ?

Entweder - oder. Ich habe - unter tatkräftiger Mithilfe meines Mannes, der auch politischer Journalist ist (Rolf Peter Henkel) - zwischen 1993 und 1997 16 Bücher geschrieben. Das ist ganz schön viel Arbeit nebenher. Ich habe meine Freizeit und meine Urlaube vor allem mit Justus, Peter und Bob, mit Lys, Kelly und Elizabeth verbracht. Ich hätte gerne weitergemacht, aber allein von den Drei ??? läßt sich (leider) nicht leben ...

 

Was ist für Sie das Besondere an den drei ??? ?

Ich find' es toll, dass die drei Jungs so viele Wandlungen mitgemacht haben und - im Grunde - dabei doch die selben geblieben sind. Jeder Autor und jede Autorin versucht die eigene Handschrift - in Maßen natürlich - zu hinterlassen. Ich habe den Mädchen eine andere, aktivere Rolle als die der Tennisschläger-Trägerinnen und Cca-Cola-Holerinnen aus früheren Büchern gegeben. Und ich wollte Justus aus der Klischee-Ecke der pummeligen Intelligenz-Bestie ohne Freundin holen und habe deshalb aus dem Verschwundenen Filmstar Lys übernommen. Dadurch hat er sich natürlich verändert, ohne aber die charakteristischen Züge zu verlieren. Sie sind einfach starke Figuren, unsere drei Jungs - das zeigt nicht zuletzt das 100. Jubiläum.

 

Gibt es ein bestimmtes Erlebnis, das Sie persönlich mit den drei ??? verbinden ?

Viele. Ich bin damals, als ich die Drei ??? schrieb, immer mit dem nächsten Buch im Hinterkopf durchs Leben gegangen und habe bei Dutzenden kleinen Ergebnissen gedacht, ob ich das wohl brauchen kann für die Krimi-Handlung? Einmal, zum Beispiel, war ich im Winter wandern und habe meine Fußspuren betrachtet. Plötzlich ging mir auf, dass ich in einem der nächsten Bücher eine Situation herstellen muss, in der ein Verdächtiger mit selbstgebastelten Sohlen unterwegs ist, die an der Ferse und den Zehen völlig identisch aussehen, so dass nicht festzustellen ist, ob die Spur zu einem Haus hin oder von einem Haus wegführt - Justus hätte die Frage natürlich geklärt, aber das Buch ist dann nicht mehr geschrieben worden. Solche Puzzle-Steine für Krimi-Fälle hab' ich in meiner Zeit als Autorin unentwegt gesammelt. Und noch eine zweite Art Erlebnisse verbinde ich mit den Drei ???. Ich gehe immer wieder in Schulen lesen. Es macht unheimlich viel Freude mitzuleben, wie die eigenen Bücher ankommen, und es ist sehr interessant, über kritische Anmerkungen zu diskutieren.

 

Würden Sie noch einmal ein ???-Buch schreiben, wenn man Sie fragen würde ?

Ich habe noch ein Exposé rund um Go-Kart-Rennen und die Formel-I (die Parallelen zu den Schumachers sind beabsichtigt gewesen). Das Buch ist nie geschrieben worden, ich würde es aber noch immer sehr gerne realisieren, wenn mich jemand fragt. An Ideen jedenfalls wäre kein Mangel.

 

Verfolgen Sie den Fortgang der Serie immer noch ? Wie bewerten Sie ihn ?

Natürlich. Mir gefallen die, die ihre Schwerpunkt in der realen Welt haben, am besten. Denn ich finde - auch selber als begeisterte Krimileserin - die reale Welt ist so spannend, dass nicht Gespenster, Geister oder Gruseliges her müssen, um Spannung künstlich zu erzeugen.

 

Bekommen Sie viel von den Diskussionen im Internet mit?

Ja, und dabei ist mir natürlich auch ddf-online.de längst
untergekommen.

 

Eines Ihrer beliebtesten Bücher ist "Geisterstadt". Dabei beschreiben Sie die Schönheit des Lake Tahoe und Umgebung. Waren Sie selbst einmal dort ?

Ich war am Lake Tahoe. Ich war überhaupt überall dort, wo ich die Drei ??? hingeschickt habe. Ich kenne die Westküste gut, Los Angeles oder selbst Ventura, aber auch Sedona, wo Giftiges Wasser spielt, die Geschichte rund um einen Umwelt-Skandal, der Justus fast den Verstand raubt. Ich habe beim Schreiben aller Bücher immer eine Land- und Straßenkarte auf dem Schreibtisch liegen gehabt, weil ich finde, dass ganz genauso wie bei Erwachsenen-Krimis die Rahmenbedingungen, die Entfernungen, die Landschaft oder der Straßenverlauf auch in Jugendkrimis stimmen müssen. Deshalb spielt Geheimnis der Särge auch in richtigen Höhlen, deshalb gibt's die Eisdiele (Tichy) in Wien auch wirklich. In Geisterstadt spielt übrigens auch eines dieser vielen kleinen Erlebnisse eine wichtige Rolle. Irgendwann im Schiurlaub ist mir aufgefallen, dass auf Gehwegen über den Kellern von Häusern der Schnee immer viel schneller schmilzt - vor allem, wenn sie bewohnt sind. Und das hilft den Drei ??? bekanntlich entscheidend weiter.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, die drei Detektive in den Folgen "Diamantenschmuggel", "Schattenmänner", "Das Geheimnis der Särge" und "Der Schatz im Bergsee" auf Europa-Trip zu schicken ?

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass mir die Gegend rund um Rocky Beach angesichts der vielen Bücher in so kurzer Zeit irgendwann zu eng geworden ist. Ich wollte, dass die Drei ??? auch was sehen von der Welt. Da kam Fußball-Gangster und die Belohnung durch den Weltfußball-Verband gerade recht. Und dass die Drei ??? dann nicht allein in London bleiben und sofort wieder zurückfliegen, ohne auch anderes von Europa kennengelernt zu haben, dass ist doch selbstverständlich, oder?

 

In "Dreckiger Deal" wird die Unterdrückung der Schwarzen oder Drogenprobleme beschrieben. Wann und warum kam Ihnen die Idee, dies zu einer ???-Story zu machen.

Ich habe einen einzigen Kritikpunkt an der ganzen Serie, jedenfalls an vielen der Bücher, die in Amerika produziert worden sind. Das war nicht Amerika, das war eine Kunstwelt rund um Rocky Beach. Und diese Kritik ist mir nicht als Schreiberin, sondern als Leserin vor vielen Jahren gekommen - weshalb ich auch nur eher vorübergehend ein Drei-???-Fan war. Als ich dann die Möglichkeit bekam, daran etwas zu verändern, habe ich sie natürlich nicht ungenutzt gelassen. Der Drogen-High-School-Plot in Dreckiger Deal war schon in der allerersten Ideen-Liste vertreten und hat damals auch ordentlich Punkte bekommen. Auch andere Geschichten haben einen sehr realen Hintergrund. Zum Beispiel: Geheimnis der Särge - es ist tatsächlich vor einigen Jahren in Schottland ein ganzes Schloss ausgeräumt worden, und die Räuber haben die Kunstwerke den Besitzern zum Kauf angeboten. Oder Dopingmixer; und Trickdiebe, die sich verhalten wie in Spuk im Hotel, sind auch Realität. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, aus solchen Begebenheiten verzwickte und verwinkelte Fälle für die Drei ??? zu stricken.

Viele liebe Grüße - für weitere Frage stehe ich gern zur Verfügung. Und übrigens: Ich hab' nicht 15 sondern 16 Bücher geschrieben (10 davon gibt's sogar auf chinesisch!).

Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
Stuttgart, 25.09.2001