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Inhaltsverzeichnis:
Jeder Tag ist ein Geschenk
Kopfklinikum 2016/17
Haus Rafael 2017
Bezirksklinikum 2017
Haus Rafael 2017
Kopfklinikum 2017
Haus Rafael 2017
Kopfklinikum Ende 2017
Haus Rafael 2017/18
WG Hammerbacherstr. 2019
Heinrich-Hertz-Str. 8

Jeder Tag ist ein Geschenk

Seitdem ich mein "Buch" geschrieben habe, hat sich mein Leben sehr verändert. Ich denke nun nicht mehr, dass ich buchstäblich ermordet werde, sondern dass ich über die Luft vergiftet werde.

Nachdem ich 2013 mein Wirtschaftsingenieurstudium abgeschlossen hatte, war ich mehrere Jahre zuhause, immer gefangen in dem Gedanken, umgebracht zu werden. Damals hatte ich auch Angst, dass meine ganze Familie, inklusive meiner Schwester, das Ziel seien.

Dann kam eines Tages mein Vater auf mich zu, ich müsse ausziehen. Das hat mir damals den Boden unter den Füßen weggezogen - eine zusätzliche große psychische Belastung für mich. Ein paar Monate danach musste ich ausziehen. Ich hatte zu der Zeit einen gesetzlichen Betreuer, Georg Bulkuta, der das veranlasste, und mein Vater hatte eine Wohnung für mich gefunden, in der Labenwolfstr. 17 im ersten Stock.

Es war eine (im Nachhinein) schöne, große Wohnung, die von der Sozialhilfe, die ich dadurch bekam, dass mein Vater alle Schritte dazu eingeleitet hatte, bezahlt wurde. Monatlich hatte ich für mein Leben noch 300 Euro zur Verfügung, die Georg Bulkuta monatlich mir in Bar überreichte. Davon ging ich jeden Tag in den Beck einkaufen. Ich wog zu der Zeit 130 Kilo, die auch dadurch zustande gekommen waren, dass ich anfing, meine Angst mit 6 Flaschen Bier am Tag zu bekämpfen. Das hatte ganz gut funktioniert, jeder wusste davon und große Belehrungsversuche, ich sei ein Alkoholiker, gab es nicht.

Kopfklinikum 2016/17

Eines Tages schaute ich das Quizduell mit Jörg Pilawa (zu der Zeit hatte sich meine Angst, ermordet zu werden, zugespitzt - vor allem hatte ich Angst davor, dass jemand im Fernsehen meinen Namen sagt oder gar meine Adresse) und da war Stefan Kretzschmar, der leise "Peter Köhler", zusammen mit einer der Zungengesten, vor denen ich so Angst hatte, sagte. Ich war in Panik und fuhr mit dem Fahrrad zurück zu meinen Eltern um dort "Kriegsrat" zu halten. Mein Vater schaute sich die Sendung an und meinte, er habe nichts gehört - meine Mutter hatte sowieso von den ganzen Zungengesten nichts mitbekommen. Ich sagte in meiner Angst, ich könne nicht zurück in meine Wohnung - und dass es jetzt Zeit sei, die Polizei einzuschalten. Also rief ich die 110 an und sagte, man solle einen Streifenwagen schicken, jemand habe meinen Namen im Fernsehen gesagt. Die Frau am anderen Ende der Leitung sagte mir, nur weil jemand meinen Namen im Fernsehen gesagt habe, komme keine Streife. Also sagte ich meinen Eltern, ich habe so Angst, in meiner Wohnung umgebracht zu werden, dass ich bitte nochmal ins Kopfklinikum möchte, damit ich sicher sei. Das muss alles Ende 2016 gewesen sein.

Dort husteten die Leute nicht, wie unter dem Fenster meiner Wohnung und ich fühlte mich wohl. Ich war wohl ganze 4 Monate dort. Der Schlüssel in dieser Zeit lag wohl in einer Begegnung mit dem Sozialdienst des Klinikums. Frau Custal bot mir an, ein Treffen mit dem betreuten Wohnen des Haus Rafaels zu arrangieren. Für mich war das damals wie der Himmel. Nicht allein isoliert in einer Wohnung - noch dazu mitten in der Stadt, sondern unter Leuten. Ich hatte während der Zeit in der Klinik noch ein Treffen mit dem Haus Rafael - eine Art Bewerbungsgespräch. Dort waren Frau Angelika Quehl und Philipp Diem die mich - wie ich empfand - recht ablehnend behandelten und unter anderem sagte mir Herr Diem, das Haus wäre nichts für jemanden, der Selbstmord begehen wolle, weil nachts nur eine Bereitschaft da sei. Ich beteuerte, dass ich das nicht vorhabe und so trennten sich unsere Wege. Ich hatte das Gefühl, sie wollten mich nicht nehmen, und reagierte direkt nach dem Treffen enttäuscht und ungehalten.

Ich war weiter im Kopfklinikum auf der Privatstation im dritten Stock (P31), in Behandlung von Prof. Kornhuber, Dr. Bernd Lenz und Dr. Dorothea Falke. Meine Zimmernachbarn wechselten oft, hängen geblieben ist mir Maximilian Schorah, der in Aachen studiert hatte und kurz bevor er ins Klinikum kam versucht hatte, die Pulsadern aufzuschneiden. Man konnte es sehen, die Narben waren frisch. Auf meine Nachfrage, wie das passiert sei, sagte er, er könne sich nicht mehr erinnern. Sein Vater sei vor ein paar Monaten bei einem Verkehrsunfall gestorben. Ich googlete nach - sein Vater hieß George M. Schorah, der Nachname sei "irgendwie jüdisch", er sei CEO eines Catering-Services gewesen. Maximilian hatte denn auch sehr gute, teure Klamotten an und ein Hobby war Golf spielen. Was an seinem Verhalten auffällig war, war, dass er ganze viele Automaten-Flaschen (Cola usw.) trank und überall halb leer stehen ließ.

Irgendwann randalierten drauße zwei Männer und liefen laut rufend die Neue Straße entlang. Da hatte ich Angst, mein Name sei im Fernsehen gefallen. Einen weiteren Abend beim Einschlafen fing der so fertig und in seiner Krankheit gefangene Maximilian Schorah plötzlich erst an zu kichern und dann lachte er lauthals. Ich war total verunsichert und fragte ihn, was los sei. "Nichts" war die Antwort. Immer als ich Besuch bekam sagte er z.B. zu meiner Mutter ganz leise"Servus, servus, servus". Während dieser paar Tage erfuhr ich vom Unfalltod von Alexander Beck (später mehr dazu) und am gleichen Tag der Tod vom Russland-UN-Botschafter Witali Tschurkin.

Ein weiterer Zimmernachbar war Philipp Wopperer - ein Physik-Student oder schon angehender Physik-Doktor. Auch er war Raucher und nachdem er aus meinem Zimmer in ein Einzelzimmer auf der Station verlegt worden war, trafen wir uns einmal auf seinem Balkon zum - nicht erlaubten - Rauchen. Er hatte ein Fan-T-Shirt der Band "Kraftwerk" an - die ich häufig hörte. Und dann sprach er mich auf meine Angst vor dem Geheimdienst an und machte eine - sehr betont langsam gesprochene - Bemerkung, die mir immer noch in den Ohren klingt. Er sagte "Ich weiß nicht, der Geheimdienst hat Gifte, die man nicht nachweisen kann". Zu der Zeit hatte ich noch wahnsinnig Angst, per Mordwaffe getötet zu werden, sodass ich mir dabei zunächst nichts dachte.

Haus Rafael 2017

Ich hatte ein Zimmer im ersten Stock. Die genaue Nummer weiß ich schon nicht mehr. Abendessen war immer zusammen im Erdgeschoss. Das Essen kam aus dem Altersheim nebenan. Beim Abendessen erzählten sich der übermäßig dicke Kevin Guha (ich weiß nicht mehr, ob ich den Nachname richtig wiedergebe) vom Annafest in Forchheim und dass sie dort eine Schlägerei mit Maßkrügen hatten. Das traf wieder meinen Nerv vom umgebracht werden, weil über Gewalt geredet wurde. Ich aß nichts bei den Abendessen und beim Frühstück, da ich Angst vor Vergiftung hatte und kaufte mein Essen, das aus Ritter-Sport-Schokolade und Cola bestand im 20-Minuten-Fußweg (ich wog immer noch 130 Kilo!) vom Haus Rafael entfernten Edeka an der Theodor-Heuss-Anlage. Anita - die ja direkt in der Gegend wohnt - hatte meiner Mutter gesagt auf die Frage hin, wo man einkaufen könne, eben an den Carré der Theodor-Heuss-Anlage oder auch beim Aldi "beim Autohaus Fink" da müsste ich die Straße am Siemens-Gelende einfach entlanggehen und dann "rechts".

Es war kurz vor Ostern und Maximilian Schorah und Philipp Wopperer hatten beide im Klinikum Ostereier gegessen. Als ich noch in Karlsruhe war, waren im Zimmer unter mir (ich hatte aus dem Fenster im Treppenhaus rausgeschaut) zwei Mädchen beim Stricken gesessen die laut und pointiert sagten "Wann ist eigentlich Ostern?". Deshalb dachte ich, Ostern würde mir etwas passieren.

Da ich nicht in der Arbeitstherapie war - ich hatte mich entschuldigt und saß immer auf der Bank im Garten vom Haus Rafael und rauchte dort, probierte ich den Weg zum Aldi. Es war ein langer Fußmarsch und auf dem Weg dorthin überholte ich ein junger Türke - wieder die Angst, mich könnte irgendjemand gewalttätiges z.B. eben ein Türke könne mich umbringen. Im Aldi kaufte ich Nougat-Eier - bei gekauften Sachen hatte ich keine Angst vor Vergiftung - und aß sie auf der Bank, die außer mir niemand zu benutzen schien.

Ich telefonierte - auf der Bank sitzend - mit Manuel und der sagte mir, er habe so Kopfschmerzen und Erkältungssymptome und er habe sich von der Arbeit freigenommen. Sascha hatte gegen Ende seiner Zeit in der WG über Kopfschmerzen geklagt und sich Sorgen wegen seiner Gasheizung gemacht, ob die dicht sei - er hatte Angst vor Kohlenmonoxid. Kohlenmonoxid - las ich bei Wikipedia - verursacht Kopfschmerzen und Erkältungssymptome.

Irgendwann telefonierte ich nochmal mit Manuel und ich schilderte ihm, dass ich jetzt im Haus Rafael sei usw. und auf die Frage hin, was ich jetzt machen solle sagte er mir, aus meiner jetzigen Sicht etwas nervös: "Du solltest da reingehen." und "es ist nicht gut, wenn man immer nur das macht, worauf man gerade Lust hat".

Einmal war ich am Wochenende zuhause, trank am Sonntag eine Flasche Wein aus dem Keller, als meine Eltern mal nicht zuhause waren und weigerte mich am Abend, als sie wieder da waren, ins Haus Rafael zu fahren. Meine Eltern riefen die Polizei. Als diese da war, fuhren sie mich zur Bushaltestelle am Wegfeld. Sie wollten mich nicht nach Erlangen fahren, sie seien ja kein Taxiunternehmen. Darauf hatte ich in meinem Hoch zunächst spekuliert. Sie wollten zuerst einen Alkoholtest machen, vergaßen es aber, und als sie mich aus dem Auto ließen sagte der Polizist: "Ciao". "Ciao" - das sollte ich öfter hören. Es war mein bis dato letztes persönliches Zusammentreffen mit der Polizei.

Eigentlich durfte man im Haus Rafael jedes Wochenende nach Hause. Meine Eltern erlaubten das jedoch oft nicht und so musste ich in meiner ungeliebten Wohnung übernachten. In einer Nacht hatte ich so Angst, da ich hörte, wie sich eine Ansammlung von Jugendlichen unter meinem Fenster traf, dass ich mitten in der Nacht zu Fuß nach Hause lief und klingelte und meine Angst schilderte.

In diesen Tagen wollte ich von zuhause aus ausreißen und mich irgendwie mit ein bisschen Geld durchschlagen. Ich sagte meinen Eltern, ich ginge jetzt aufs Feld. Sie drohten mit der Polizei. So saß ich dort 2 Stunden am Pumpenhäuschen. Es fing an zu Regnen - ich blieb noch - doch dann ging ich zurück und hatte Angst ich würde dort die Polizei antreffen.

Bezirksklinikum 2017

Ich sagte, ich möchte wieder in die sichere Kopfklinik, aber mein Vater sagte mir, das würde er nicht machen, er fahre mich nur in die (für ich unangenehme) Klinik am Europakanal. In meiner Angst stimmte ich zu.

Es war mittlerweile Frühjahr 2017 und so gegen 23 Uhr. An diesem Tag wollte ich flüchten und mich irgendwie durchs Leben schlagen, sagte das meinen Eltern und ging hinaus aufs Feld. Meine Eltern riefen die Polizei an, die ich aber nicht mehr angetroffen habe.

Im Klinikum gingen wir in die Aufnahme oder Notaufnahme und es kam ein Arzt - Dr. Franz Lang, wie er sagte. Er sagte, man könne mich aufnehmen, aber nur in die Station B0-Nord, die Nebenstation der B0-Süd. Dort wurde ich dann aufgenommen und mitten in der Nacht in ein 4-Bett-Zimmer gelegt, in dem ich mich zunächst unsicher ob möglicher Übergriffe durch die Mitinsassen fühlte. Am nächsten Tag unterhielt ich mich mit den anderen, immer durch alle möglichen Leute, die husteten mit den anderen. In meinem Zimmer war ein Russe namens "Vlad", der auf mich wie ein Killer oder zumindest Gewalttäter wirkte - er behauptete, dass ihn das SEK aus seiner Wohnung geholt hatte und ihn hierher gebracht hatte. Dann war ein zahnloser, ebenfalls aggressiv wirkender Zeitgenosse auf meinem Zimmer der mir drohte, er würde mir wenn ich dies und das nicht unterlassen würde, "eine reinhauen". Die Ärzte versprachen mir, mich auf ein Zweibettzimmer zu verlegen - ich hatte wirklich Angst von diesen beiden Zeitgenossen zumindest gewalttätig angegriffen zu werden. Inzwischen war aus meiner freiwilligen Einlieferung (ich wollte unbedingt wieder raus aus diesem empfundenen Gefängnis) eine Zwangseinweisung geworden - die Ärztin Yvonne Fleischmann hatte einen Beschluss erwirkt - wegen Fluchtgefahr. Die Ärzte drohten mir mit einem "geschlossenen Heim". Mir wurde mit Zwangsmedikation (Spritze) gedroht, da ich nichts esse. Später hieß es, das sei nicht so einfach anzuordnen, da ich meine Medikamente ja freiwillig nähme. Ich erzählte alles meiner Mutter, die sich daraufhin informierte und sagte so etwas sehe "schlimmer aus als der Tod". Insgesamt wirkten die Ärzte bei ihren täglichen Visiten auf mich sehr hart und rigoros. Ich kam aber ins versprochene 2-Bett-Zimmer und dort war zunächst ein Stefan Mielchen, der behauptete, er hätte Hepatitis C. Der war dann plötzlich nicht mehr da - es hieß von "Vlad", er sei geflüchtet. So kam dann ein neuer Zeitgenosse in mein Zimmer, der gerade eingeliefert worden war, er hieß - ich kann mich noch genau an seinen Namen erinnern - Silas Mparakopoulus. Ein kompliziert auszusprechender griechischer Name also - doch er wirkte auf mich überhaupt nicht griechisch, sondern sehr deutsch - er hatte blonde Haare und einen blonden Bart. Ihn habe ich in besonderer Erinnerung, denn er erzählte komische Sachen, z.B. er komme aus Mönchengladbach, er arbeite beim Roten Kreuz am Recyclinghof und sei aufgrund von Sachbeschädigung [er sei nachts mit einem Messer durch Nürnberg gelaufen und habe Autos beschädigt] zu Sozialstunden verurteilt worden. Er lachte im Raucherraum immer wie ein total Verrückter, hustete immerzu und sagte, ihn habe eine Mexikanerin aus dem Fenster gestoßen - dabei habe er sich den Arm gebrochen [man konnte die Narbe auch sehen]. Irgendwann später in meinem Aufenthalt im Klinikum, als ich schon auf eine andere Station verlegt worden war, sagte er mir, er habe sich freiwillig so ein geschlossenes Heim angeschaut und das sei wie "ein kleiner Knast" gewesen. Er wurde in ein anderes Zimmer verlegt und ich bekam einen neuen Mitbewohner - Manfred Buchner.

Der fuhr immer mit dem Fahrrad herum und aß gern Schokolade und brachte mir auch welche mit, hörte mit seinen kabellosen MP3-Kopfhörern von Saturn u.a. "Linkin Park" und machte morgens soetwas wie Meditation. Eines abends, als ich mich sehr müde fühlte im Raucherraum (und das der Luft zuschrieb) sagte er zu mir, was ich genau so in Erinnerung habe: "Was denkst du 5 Sekunden vor dem Tod". Dem miss ich damals keine besondere Bedeutung bei, aber es ist mir in Erinnerung geblieben, weil ich eben durch die Luft mich so hundemüde fühlte und weil es so ein komischer - total aus jedem Zusammenhang der Unterhaltung gerissenen - Satz war.

Als wir einmal draußen im Hof der B0-Nord waren, setzte sich Manfred Buchner neben mich und fragte mich, wie es mit mir weiterginge und ich sagte, ich wäre jetzt im Haus Rafael. Daraufhin sagte er mir wortwörtlich: "Da war ich auch mal".

Dann wurde aus unserem 2-Bett-Zimmer ein 3-Bett-Zimmer und es kam ein Murat (seinen Nachnamen weiß ich nicht mehr) - der mir auch zunächst Angst einjagte, weil er erzählte, er sei mehrere Jahre in der Forensik gewesen. Er beruhigte mich aber und sagte, er würde mir nichts tun und "so schnell stirbt's sich nicht". Er sei Hausmeister in einem Heim in Roth, er habe Clozapin genommen und darauf seien mehrere Menschen in Finnland gestorben. Er sei Drogendealer gewesen und die Polizei habe ihn mit Kokain im Wert von 50.000 Euro geschnappt und er sei daraufhin in die Forensik gekommen. Kurz, bevor er die Station B0-Nord verließ - also an seinem letzten Tag, trank er aus einem der dort bereitgestellten Becher Leitungswasser und knallte den leeren Becher relativ laut auf den Tisch im Zimmer und sagte wortwörtlich: "Die Bullen haben mein Wasser mit LSD vergiftet".

Das waren die Hauptpersonen meiner Zeit auf der B0-Nord. Es gab aber noch einen Jan-Kardeem Mandzur, der mir erzählte seine Mutter habe mit Tabletten Selbstmord begangen und sie sei so fertig gewesen mit sich, dass sie während der Schwangerschaft mit ihm geraucht habe. Es gab einen Herbert, den meine Mutter so gern mochte - er wurde immer von einem alten Freund besucht, den ich später im Haus Rafael desöfteren gesehen habe. Am Ende meiner Zeit auf der B0-Nord kam ein Jugendlicher mit Nachnamen "Frank" aus Forchheim auf mein Zimmer, der mir erzählte, wie einer seiner Freunde mit 16 Selbstmord begangen habe [er hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten] und noch im Krankenwagen gestorben sei.

Beim Blutabnehmen hatte ich plötzliches Herzrasen. Es waren beim ersten Blutabnehmen mehr als 4 Röllchen, sodass ich das erst auf die große Menge des abgenommenen Blutes schob. Das Herzrasen hielt aber an und ich hatte Angst, abzukratzen. Später, als das wiederholt passierte, vermutete ich Tröpfchen an der Nadel. Beim nächsten Mal Blutabnehmen weigerte ich mich zunächst, nachdem mir daraufhin ein gerichtlicher Beschluss angedroht wurde, der eine Zwangsblutentnahme anordnen würde, gab ich klein bei - und wieder war das Herzrasen da.

Dann kam ich auf die B3-Nord - die B4-Nord gab es nicht mehr, an ihrer Stelle war die Geriatrie gerückt. Auch hier bekam ich Blut abgenommen und hatte Herzrasen. Ich brachte das Herzrasen zur Sprache und da hieß es nur lapidar, dass sie mir hoch und heilig und bei Ihrem Ehrenwort versprechen würden, dass sie mir nichts spritzen würden.

Während meiner ganzen Zeit in der Klinik aß ich nichts von dem Essen, das bereitgestellt wurde. Als ich das letzte Mal 2011 im Bezirksklinikum gewesen war, hatten manche Namen beim Essen ein Kreuz hinter ihrem Nachnamen (#). Das schob ich schon damals darauf, nachdem ich auch andere nach dem Essen tatsächlich mit Schaum vor dem Mund gesehen hatte, dass die Küche ihnen was ins Essen mischte. Davor hatte ich Angst, obwohl die Kreuzchen gänzlich verschwunden waren. Ich trank aber sehr viel Leitungswasser - davor hatte ich damals noch keine Angst. Alle 2-3 Tage kamen meine Eltern zu Besuch und brachten mir Schokodrink, ein belegtes Baguette und Chips von Aldi mit (davor hatte ich damals auch noch keine Angst) und ich stürzte mich vor lauter Hunger auf das Essen. In der Klinikzeit (ich vermute es waren mehr als 8 Wochen) nahm ich 30 Kilo ab und wog danach noch 95 Kilo. Nachdem ich Ausgang bekommen hatte, kaufte ich mir im Kiosk eine Ritter-Sport-Schokolade und eine 1l-Flasche Coca Cola - da hatte ich schon aufgrund meiner einsetzenden Vergiftungsangst schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl, als ich die Cola trank. Auf der B3-Nord hatte ich - wie auf der B0-Nord - jede Woche einen Visite-Termin. Es hieß, ich werde erst entlassen, wenn ich mir Blutabnehmen lasse. Auch dort bekam ich Herzrasen. Was ich interessant fand, war, dass mich die dortige Ärztin darauf ansprach, dass ich kurz (ein paar Tage) vor 9/11 auf dem World Trade Center stand - das stand wohl in meiner Kurve, dass ich das erwähnt hatte. Bemerkenswert war, dass sie nicht sagte, was man bei einem Psychose-Patienten vermuten würde, nämlich so was à la "Du spinnst, dass du da einen Zusammenhang vermutest". Nein, sie sagte, das sei doch voll - Zitat - "gruselig".

Während meiner Zeit auf der B0-Nord hatte ich einen angenehmen Zimmergenossen, ein Flüchtling aus der Ukraine, Juri Syvko. Während ich auf der Station im Bett lag, fiel mir auf, dass mein rechter Fuß immer unwillkürlich wippte - und das permanent - heute weiß ich, dass das durch irgendwelche Chemikalien in der Luft kam. Das kam mir seltsam vor, und da in der täglichen Kunsttherapie eine Frau meinte, man dürfe Risperidon in einer so hohen Dosis (8 mg), so wie ich sie nehme, niemandem verschreiben, hatte ich vor den Risperidon-Tabletten etwas Angst und schob das Wippen des Fußes auf eine Nebenwirkung dieser vermeintlich zu hoch dosiereten Tabletten. Mein Vater googelte auf mein Bitten hin nach der Dosierung und fand heraus, dass die Dosierung zwar am oberen Limit dessen, was verschrieben werden darf läge, dass man sie aber durchaus in dieser Dosis verabreichen dürfe.

Als es in der Visite der B3-Nord dann endlich hieß, ich werde die nächsten Tage entlassen, jubelte ich, als ich das Zimmer verließ, ballte die Fäuste und schrie innerlich "Yes!". Bei der letzten Tabletteneinnahme am Abend vor meiner Entlassung fragte mich die Krankenschwester total aus dem Zusammenhang gerissen, ob ich einen Hund habe.

Während meiner Zeit im Klinikum am Europakanal bekam ich nicht nur Besuch von meinen Eltern, sondern auch von meinem Betreuer Georg Bulkuta, der mir offenbarte, dass er bei Gericht die Kündigung meiner Wohnung in der Labenwolfstraße beantragt habe, meinem Verfahrenspfleger Ingo Burgmüller, der mir einen Aufschub der Kündigung zumindest bis zum Ende der Probezeit im Haus Rafael (das waren 10 Woche) zugestand und mir auf meine Sorge hin sagte, so einfach könne mich das Haus Rafael nicht rausschmeißen und sich dabei ordentlich die Nase schnäuzte. Frau Quehl aus dem Haus Rafael kam jede Woche für unser sog. "Einzel" vorbei. Meine Mutter fand das toll, dass sie sich so um mich kümmert.

Haus Rafael 2017

Nach der Entlassung aus dem Bezirksklinikum kam ich ins Haus Rafael zurück. Ich ging zunächst noch nicht zur Arbeitstherapie.

Mittlerweile war so eine Art "Partytyp" oder Festival-Gänger im Haus Rafael. Max Anschütz hieß er. Beim Frühstück aß er Toast. An einem Tag kam ich runter, und Max Anschütz und noch ein weiterer sahen gerade am Fernsehplatz das Sat1-Frühstücksfernsehen. Dann sagte mir Max Anschütz lässig: "Hey weiß du was?! Der Sänger von Linkin' Park hat Selbstmord begangen. Dabei dachte ich mir damals noch nichts.

Eines morgens ging ich zum Rauchen auf meine Bank. Ich rauchte schon damals den DeMoriaan-Tabak von Aldi und hatte davon immer so zehn Stück in meinem Zimmer liegen. Aus der Hintertür kam Jörg Auernheimer - der einzige ältere im Haus Rafael, über 50 - und zündete sich eine Zigarette an. Er rauchte laut - also das Einatmen war laut und das Ausatmen auch - so laut, dass ich es eben wahrnahm. So raucht ein geübter Raucher, wie er es war, eben keine Zigarette. Ich ging in mein Zimmer und trank ein Wasser aus der Leitung. Andreas Fischer war im Treppenhaus vom Haus Rafael und öffnete alle Fenster. Mir wurde plötzlich komisch. Damals schob ich das auf die Zigarette. Ich schaute mir die DeMoriaan-Tabakpackung genau an (damals war noch ein Datum draufgedruckt) und das Datum sah seltsam schief aus - ich verglich es mit den anderen Tabakpackungen - die hatten alle einen normalen Druck. Ich setzte mich auf mein Bett, da mir seltsam war und versuchte mich zu sammeln. Mir taten die Glieder weh - und plötzlich schoss mir ein bitterersüßer Geruch in die Nase. Ich dachte sofort an Zyankali, da 2011 im Bezirksklinikum der eine von Zyankali geredet hatte. Ich hatte den Verdacht, Zyankali geraucht zu haben und googlete nach Zyankali-Vergiftung. Dort stand in einem Forum, dass so eine Vergiftung überaus grausam sei und evtl. bis zu einer Dreiviertelstunde dauere. Ich saß voller Panik auf meinem Bett, doch traute ich mich nochmal Rauchen zu gehen. Ich fühlte mich beim Rauchen wieder komisch und ließ das Rauchen dann sein. Durch meine Nervosität trank ich sehr viel Wasser. Diese Vergiftungsangst hielt mehrere Stunden an, ich trank und trank Wasser, bis am Abend dann mein Vater zu Besuch kam - ich war für den Abendessendienst eingeteilt und holte mit ihm Zusammen aus dem Altersheim das Abendessen - während ich meinem linken Oberschenkel einen Krampf spürte. Ich sagte ihm, ich sei vermutlich mit Zyankali vergiftet worden und ich habe in Erinnerung, dass er ein bisschen lachte - was er mir genau sagte weiß ich nicht mehr - vermutlich sagte er etwas Beruhigendes. Als ich dann am Abend im Bett lag, hatte ich ein Ziehen hinten am Rücken - in der Gegend um die Nieren. Ich hatte einen leicht süßlichen Geschmack im Mund. Ich erinnere mich, dass ich sehr viel auf der Toilette war, pisste und pisste, ich hatte ja viel getrunken. Aber heute weiß ich, dass ich eben mehr als normal pinkelte. Am nächsten morgen duschte ich mich und fühlte mich nach dem Duschen und Zähneputzen komisch. Ich hatte ein spezielles orangefarbenes Duschgel von L'Oreal seit meiner Zeit im Kopfklinikum, das mir damals meine Mutter gekauft hatte. Maximilian Schorah hatte sich am Tag, nachdem meine Mutter das gekauft hatte, von demselben Duschgel zwei Packungen gekauft - es war nur ein anderer Duft. Die Flaschen hatten dieselbe Form, nur unterschiedliche Farbe. Nach der Morgentoilette fühlte ich mich komisch, meine Glieder schmerzten ein bisschen. Ich erinnere mich noch, dass Frau Quehl, als es mir komisch ging, die Treppe vom ersten Stock herunterkam (ich kam gerade vom Frühstück) und hustete. An diesem Tag fuhr ich nach Hause. Ich fuhr mit dem 290er Bus nach Am Wegfeld und lief von dort aus über die gepflasterte alte B4 nach Hause. Es bildete sich Achselschweiß und als der sich bildete fühlte ich es in den Gliedern. Dieses Gefühl erinnerte mich an den Vortag, als ich Muskelkrämpfe hatte nur war es deutlich schwächer. Ich spürte es in den Gliedern. Ich fühlte mich auch etwas benommen, sodass ich zuhause sofort ganz oben duschte. Dann war es weg. Natürlich habe ich von Vergiftung und Zyankali etwas erzählt. Mein Vater fuhr mich am frühen Abend zurück ins Haus Rafael, eine Breze von Aldi in der Hand, die ich essen sollte. Ich aß sie auf dem Beifahrersitz und ich spürte sofort etwas in den Nieren. Als ich dann zum Schlafen im Bett lag, spürte ich plötzlich etwas im Magen, so als ob sich der Mageninhalt irgendwie auflöse. Kurz darauf spürte ich eine Kontraktion oder ein Ploppen hinten in der Niere. Es war vielleicht 22 Uhr - jedenfalls relativ spät. Dann spürte ich wieder etwas in der Niere und gleichzeitig ging eine Zimmertür im Gang im ersten Stock. Sie schlug relativ fest zu. Und wieder ein Ploppen in der Niere - zeitgleich mit der nächsten Zimmertür die zuschlug. Und wieder, immer an einer anderen Stelle in der Niere. Und wieder. Das ging so ca. 10 mal und das Ploppen in der Niere war immer - fast auf die Sekunde zeitgleich mit dem Zuschlagen immer einer anderen Zimmertür. Zu diesem Zeitpunkt begriff ich sofort, dass es irgendwas in der Luft war. Nach 15-20 Minuten hörte der Spuk auf und ich lag im Bett und hatte Angst, obwohl ich froh war, dass es vorbei war. Es war jetzt ca. 23 Uhr. Und ich dachte mir, scheiß auf Zyankali, scheiß auf die Vergiftung, wenn du jetzt tot bist, was macht es noch für einen Unterschied. Also ging ich runter in die Gemeinschaftsküche und kochte mir Spaghetti und aß sie dort, ganz allein. Ich ging auf meine Bank und entschloss mich, sofort mit dem 30er-Bus nach Hause zu fahren. Ich hatte Angst zu klingeln und setzte mich in den Garten, an die Seite, auf einen Gartenstuhl. Überall in den Tujas und am Weg machte es leise Klickgeräusche. Schließlich klingelte ich, trommelte so meine Eltern aus dem Bett. Wir saßen in der Küche und ich aß einen Eintopf aus dem Keller. Mein Vater probierte mit einem Löffel die Reste des Eintopfs aus der Dose. Meine Mutter bemerkte, dass ich dauernd blinzeln musste. Sie fragte, was denn los sei. Das machte ich scheinbar die ganze Zeit, bemerkte es selber jedoch überhaupt nicht. Ich sagte, ich sei vermutlich vergiftet worden. Dann irgendwann gingen wir zu Bett und am nächsten Morgen stellte mich mein Vater vor eine Wahl, die keine war. Er sagte: Wenn du denkst, dass du vergiftet worden bist, hast du zwei Möglichkeiten: Entweder ich rufe den Notarzt, oder ich bringe dich ins Kopfklinikum. Da ich so vieles über die "Machenschaften" der Ärzte herausgefunden hatte, entschied ich mich relativ schweren Herzens - da ich Angst hatte immer und überall zu vergiftet zu werden, für das Kopfklinikum. Was an diesem Vormittag folgte war eine ewiges Hin und Her. Erst sagte Papa am Rondell beim Kopfklinikum komm mit zum "Lenzi" (so hatte meine Mutter immer Dr. Lenz genannt, weil ihr der gut gefiehl). Ich ging mit Papa rein, hatte dann aber Schiss, in die Notaufnahme zu gehen, also ging ich wieder raus, kommunizierte meine Angst, Papa beruhigte mich und so gingen wir wieder rein. Und wieder raus. Unverrichteter Dinge fuhren wir schließlich ins Haus Rafael, weil ich mich nicht traute, in die Notaufnahme zu gehen. Dort trafen wir die Chefin Frau Schäper an, die mit uns redete drohte mir, wenn ich jetzt nicht in die Klinik gehe, würde sie mir k?ndigen müssen. Zum Abschied an unser Gespräch gab sie mir draußen vor dem Eingang vom Haus Rafael die Hand (sie drückte ließ meine Hand sehr lange nicht los) und ich spürte etwas in den Nieren und atmete einen komischen Geruch durch die Nase aus. Mein Vater holte sich beim Beck eine Nussschnecke (ich aß in meiner Angst nichts) und rülpste - so als ob er etwas kohlensäurehaltiges getrunken hätte. Wir fuhren also wieder zum Kopfklinikum, mein Vater trank einen Kaffee und ich sagte wieder, dass ich mich nicht reintraue. Also fuhren wir nach Hause. Dort trafen wir meine Mutter an. Auch sie sagte wohl, ich müsse in die Klinik und so fuhren wir am frühen Nachmittag alle gemeinsam zur Notaufnahme. Vorher kauften wir noch Zigaretten im Aldi - ich rauchte die Zigaretten immer wieder und hatte einen leicht komischen Geruch in der Nase. Mein Vater trank einen Kaffee, sagte, ihm sei so warm und gab mir von dem Pappbecher-Kaffee etwas ab. Plötzlich wurde auch mir wohlig warm. Man sagte in der Notaufnahme, man könne mich aufnehmen, auf die P31. Wir fuhren gemeinsam hoch und trafen dort Frau Dr. Falke an; und ich glaube Prof. Kornhuber. Dr. Falke sagte sie wäre jetzt nicht mehr hier, sondern in der Neurologie. Meine Eltern waren beruhigt, dass ich aufgenommen war und fuhren nach Hause. Ich jedoch hielt es nicht aus, weil auch plötzlich Dr. Falke nicht mehr da war und fuhr mit dem 290er-Bus Richtung Heimat - Scheßlitzer Weg. In Tennenlohe bekam der Busfahrer eine Durchsage per Funk - und ich dachte, ich würde schon gesucht. Zuhause angekommen war zunächst niemand da. Irgendwann kamen meine Eltern an und sagten, die P31 habe sie angerufen, dass ich geflüchet sei. Meine Mutter war den Tränen nah und ich ließ mich schließlich überreden, wieder ins Kopfklinikum zu fahren.

Kopfklinikum 2017

Dort kam ich jetzt auf die geschlossene Station P12 (der Name eigentlich "beschützende Station"), in den geschlossenen Bereich. Dort gefiel es mir eigentlich recht gut, ich hatte einen kleinen Raucher-Erker für mich allein, in dem ich fast permanent bis am Abend saß und rauchte. In meinem Zimmer war ein alter Herr. Am Abend kam die Ärztin Dr. Siller, die mich schon bei meinem vergangenen Klinikaufenthalt über das Clozapin aufgeklärt hatte. Sie verordnete 10 mg Zyprexa und gab mir die Tablette sogleich. Dann ging sie. Ich hatte Angst, die Tablette könne vergiftet sein und bekam einen komischen Geruch in der Nase. Aus lauter Vergiftungsangst zog ich mich auf den Rauchbalkon zurück und rauchte und rauchte. Überall am kleinen Balkon "knickte" es. Ich legte mich ins Bett und mir wurde hell vor Augen. Ich hatte in diesem Moment - so wie ich mich erinnere - zunächst keine Angst vor Zyankali sondern vor einem "Nierengift". Mein Zimmernachbar stand auf und pinkelte an die Wand in der Ecke. Daraufhin ging ich zum Stützpunkt und sagte Bescheid - es kamen zwei Krankenschwestern mit Papiertüchern und wischten alles - es war nicht soviel - notdürftig weg. In den nächsten Tagen bekam ich Besuch von Dr. Lins, der sagte, mein Betreuer habe eine Einweisung ins Klinikum am Europakanal veranlasst, später kam er und sagte, es handle sich dabei wohl um einen Irrtum. Ein paar Tage später, als ich schon nicht mehr auf der geschlossenen Station war, fragte er mich - ohne ersichtlichen Grund - ob ich denken würde, dass man meine Gedanken lesen könne, was ich - etwas irritiert - klar und deutlich verneinte. Ich bekam Risperidon in Form der schon aus dem Haus Rafael gewohnten rosanen. Oft klebten die Tabletten in dem Gefäß fest. Jetzt hatte ich wieder vor Zyankali Angst. Die ganze Zeit über trank ich Wasser aus der Leitung - davor hatte ich im geschlossenen Bereich, soweit ich mich erinnere, noch keine Angst. Ich war ein paar Tage in diesem abgetrennten Bereich und war beim Rauchen allein - ab und zu wurde die Tür zur restlichen Station geöffnet und ich konnte in dem dortigen Rauchererker rauchen. Irgendwann redete ein Pfleger mit meinem alten Zimmernachbarn und fragte ihn nach seinen Enkeln, den "vier kleinen Jungs". Ich hatte irgendwann mit Papa in Bezug auf die Todesanzeige von Katharina Larcher geredet und er meinte, vier Mädchen, Schwestern (Petra, Christine, Barbara und Katharina) - so wie es der Todesanzeige zu entnehmen ist - seinen schon recht ungewöhnlich. Einmal besuchte mich Papa in meinem Rauchererker und nachdem ich ihm weinend von meiner Todesangst berichtete sagte er mir mit Tränen in den Augen: "Du bist so schmal im Gesicht". Dasselbe hatte er mir Jahre zuvor einmal gesagt, als ich aus Karlsruhe gekommen war - und das verwirrte mich.

Recht bald, nach ein paar Tagen, wurde ich in dasselbe Einzelzimmer verlegt, in dem ich schon beim Jahreswechsel 2016/17 gewesen war.

Dort bekam ich meinen Laptop und Handy, allerdings mit der Einschränkung, die Dr. Kornhuber verordnete hatte und darauf in einem Therapievertrag vereinbart wurde, dass ich Laptop und Handy erst um 12 und nur bei kompletter Teilnahme an Morgenaktivierung und Ergotherapie ausgehändigt bekomme. Das zu erfüllen viel mir anfangs sehr schwer, da ich mich total schwach fühlte, was ich auf das Versagen meiner Nierenfunktion zurückführte. Ich hatte auch ganz schwachen Puls. Seit der "Nierengeschichte" im Haus Rafael - bis heute - ist mein Puls von 130 ganz stark gesunken, was eigentlich erfreulich wäre, wenn die Ursache eine andere wäre. Ich bemerke auch bis heute, dass es wenn ich viel trinke, Stunden länger dauert, bis ich auf Toilette muss. Ich fühlte mich also von Tag zu Tag schwächer und Morgenaktivierung UND Ergotherapie zu schaffen, war für mich Quälerei - aber ich musste, denn sonst bekam ich Handy und Computer nicht. Ich schaffte es aber auch meistens. Dann hatte ich Internet und Handy. Ich weiß aktuell nicht mehr, ob ich damals schon den Vodafone Gigacube hatte oder ob ich ihn erst nach dem Klinikaufenthalt bekam. Ich glaube aber, ich hatte ihn schon. Ich googelte wie schon zuvor ständig nach Todesanzeigen mit Bildern, die vor allem - wie ich entdeckt hatte - in Österreich üblich sind, v.a. Katharina Larcher aus Tirol, die auch recht früh gestorben war. Ich erinnere mich noch, wie ich mit Mama telefoniert habe und Papa im Hintergrund laut hörbar und einfach aus dem Zusammenhang gerissen nur "Katharina Larcher". Dann redete im Raucherkäfig Petra Matinke etwas wovon ich das Folgende erinnere: "Was ihr seid gar nicht verheiratet?!". In der Todesanzeige waren ihr vermeintlicher Mann (und Kind, das ebenfalls so hieß) Martin aufgeführt, und Ihre Schwägerinnen mit Nachnamen Heis. Da sie aber nach wie vor Larcher hieß und sie eben scheinbar noch nicht verheiratet war, kam mir das mit den Schwägerinnen auf einmal merkwürdig vor. Als ich mal mit Papa telefonierte, sagte er mir, Christian Lang habe ein Stück Land bekommen und baue darauf ein Haus gebaut. Als ich bei Facebook auf die Seite von "Sattlerhof Larcher", dem Familienunternehmen von Katharina Larcher, schaute, gab es plötzlich Fotos von einem großen Zubau - der so groß wie ein eigenständiges Gebäude war. Mir war schon merkwürdig vorgekommen - schon als ich die Anzeige von Katharina Larcher ein paar Jahre zuvor entdeckt hatte - dass die Eltern Franz und Renate, genauso wie unser Nachbarehepaar, hießen und dass Georg Bulkuta - als ich ihm die Todesanzeige einmal gezeigt hatte - gemeint hatte, sie sei wohl so jung gestorben "weil sie vielleicht eine Infektion hatte". Eine Infektion hatte auch unser Nachbar Franz die ganze Zeit an seinem abgesägten Fuß - wo mehrmals die Woche ein mobiler Krankenpflege-Dienst kam um die nicht verheilende Wunde neu zu verbinden. Weiter verwirrte mich, dass ein Rudolf Siller die Andacht gehalten hatte, was der Danksagungsanzeige der Familie zu entnehmen war, und meine behandelnde Ärztin mit Nachnamen ebenfalls Siller hieß. Ich kam auf die Idee, nach den in den Kondolenzen aufgeführten Personen zu suchen. Ich rief die Familie aus Lauf an (über Online-Telefonbuch) und kam an einen recht unsympathischen Mann, der behauptete, noch nie von einer Katharina Larcher gehört zu haben? Alle diese "Ungereimtheiten" hatten zur Folge, dass ich Katharina Larcher für mich als "nicht gestorben" abhakte, was mir aber nicht sonderlich gefiel, weil sie mich über Jahre sehr beschäftigt und getröstet hatte.

Als ich einmal Wasser aus dem Wasserhahn trank, wurde mir so warm im Magen.

Ich hatte Chefarztvisite mit Prof. Kornhuber und der meinte auf meine Vergiftungsbedenken hin: "Jeder kann jeden vergiften". Ich durfte dann täglich 2 Stunden raus und man stellte mir eine Begleitung zur Verfügung mit der ich in die Norma am Marktplatz einkaufen gehen konnte. Dort kaufte ich immer 2 Flaschen Cola und was Süßes, da ich auch im Kopfklinikum nichts mehr aß.

Ich nahm zum Kaufen von Sachen lange Wege auf mich, z.B. zum Kaufland im Altstadtmarkt. Dort kaufte ich an zwei Tagen hintereinander dasselbe italienische Wasser. Als ich es am zweiten Tag kaufen wollte kam mir vor dem Kaufland Giovanni entgegen, den ich im Bezirksklinikum auf der B3-Nord getroffen hatte. Ich kaufte also das Wasser (es gab nur noch zwei Sixpacks) und trank es in der Klinik und es schmeckte so bitter. Ich erinnerte mich an einen Moment in der Pause in der Arbeitstherapie, als Jörg Auernheimer bemerkte, dass er das Wasser hier (in der Caritec) nicht mehr trinke, dass es so bitter schmecke. Also dachte ich, dass jemand - quasi über Nacht - in die Produktion (es war eine recht kleine Marke) gefahren sei, und da eine bitterschmeckende Chemikalie eingerührt hatte. Von da an kaufte ich jedenfalls nie mehr dasselbe zweimal hintereinander, da ich vor Schlimmeren als nur Bitterem Befürchtung hatte: Zyankali stand bei mir ganz groß auf der Tagesordnung.

Auf der P12 wurde ein Lukas eingeliefert, der ganz OK war und immer mit Sonnenbrille rumlief. Er entwickelte sich sozusagen zu meinem "Vorkoster". Er aß, trank und rauchte - und das gerne - alles, was ich so einkaufte. Einmal tranken wir eine 1l-Flasche Coca Cola aus dem Kaufland. Ich fragte ihn, nachdem wir uns kurz getrennt hatten und wieder aufeinander trafen, ob er die Cola ausgekotzt habe und er sagte: "Ja". Da hatte er mich wohl auf den Arm genommen.

Petra Matinke, eine leicht unsympathische Frau, sehr selbstbewusst, ca. 40 Jahre alt, hatte ein Peter-Tattoo und erzählte, am 6.6. wollte sie einen Peter heiraten. Das hat dann aber irgendwie nicht geklappt.

Ich meine es war zu meiner Zeit auf der P12, dass ich mit Manuel telefonierte. Er sprach mit vollem Mund und ich fragte, was er denn esse und er sagte: Eine Breze. Das war für mich etwas verwirrend, da ich ja meine "Nierenvergiftung" auf eine Breze zurückführte. Dann erzählte er etwas von seinen Freunden, Matthew Rippon und Sarah Beyrich (ich kenne sie auch) und sagte, sie hätten jetzt ein Kind, es hieße Anneliese. Darauf sagte ich, dass meine Mutter auch eigentlich Anneliese heißt und er sagte erstaunt "Ach, echt?".

Auf der P31 lag ich dann mit einem gewissen Walter, dessen Nachnamen ich vergessen habe, auf einem Zimmer. Er war ein alter pensionierter Mann, der im Waffenhandel für Siemens gearbeitet hatte und aus Herzogenaurach stammte. Er sagte, ihm sei das Autofahren verboten worden. Er bekam von der Nachfolgerin von Dorothea Falke, Eva Müller - ebenfalls noch jung, Blut abgenommen und sagte, als er auf einer Station habe ihm ein Iraner Blut abgenommen und der Iraner hätte das so gut gekonnt. Ich hatte immer noch Angst vorm Blutabnehmen und ließ mich auf einen für mich ziemlich guten Deal ein. Dr. Lenz hatte vorgeschlagen, in der Kinderklinik Blut aus dem Finger zu entnehmen. Das war für mich akzeptabel.

Am Wochenende waren meine Eltern häufig im Urlaub. Ich muss zu der Zeit noch keinen Haustürschlüssel gehabt haben und fuhr am Wochenende trotzdem für einen Tag nach Hause und legte mich - bei sehr gutem Wetter - in den Garten. Dort "duschte" ich mich mit dem Gartenwasser und Seife, die ich mitgenommen hatte, weil ich mich durch das Nicht-Duschen verständlicherweise schmutzig fühlte, trank Saft, den ich mir bei Aldi gekauft hatte und legte mich auf ein Gartenstuhl-Polster in die Sonne. Einmal in dieser Zeit hörte ich unseren Nachbarn Porst deutlich sagen: "Ja wo isser denn?". Da hatte ich Angst, ich würde, nachdem ich mit Zyankali getötet worden war, spurlos verschwinden.

Es war mittlerweile Mitte September, und mein alter Zimmernachbar rief beim Einschlafen um Hilfe: "Hilfe! Hilfe!" - aber nicht so laut dass eine Krankenschwester hätte kommen müssen und er beruhigte sich schnell wieder. Ich spürte, während ich das hörte, etwas, so als ob ich "wegkippe" - wieder irgendwas wie Zyanid. Und plötzlich war ein paar Tage später meine Oma tot. Mama rief mich an und teilte mir mit, sie sei heute Nacht gestorben. Sie war mit Rücksicht auf Papa sehr vorsichtig und sensibel als sie mir das mitteilte - sie waren gerade im Urlaub. Da ich kurz zuvor noch mit Oma telefoniert hatte, überraschte mich das sehr. Ich dachte sofort an Vergiftung mit Zyankali. Ich stellte mir das damals so vor, dass ihr nachts eine Pflegerin ein mit Zyankali vergiftetes Wasser gegeben habe und Oma dann sofort tot gewesen sei.

Also stand eine Beerdigung an. Meine Eltern meinten, ich würde von der Klinik garantiert dafür frei bekommen und so war es auch. Ich wurde von ihnen dann abgeholt. Vor der Abfahrt hatten wir noch ein gemeinsames Mittagessen. Es gab Forellenfilets. Mama, Papa und ich saßen am Tisch, die Forellenfilets lagen auf Papas Seite des Tisches und er machte eine Geste, dass wir uns bedienen sollten. Ich nahm das oberste, aß es und es grummelte ein bisschen im Magen. Ich hatte ja Angst vor Zyankali und hatte zuerst Angst, was sich dann aber gab - schließlich hatten alle davon gegessen und meine Eltern waren bei mir - was mich in meiner Zyankali-Angst so gut wie immer beruhigte. Wir machten uns zu dritt in unserem Familienauto Renault Capture auf den Weg nach Essen. Hannah war - ich meine mich richtig zu erinnern - in Hamburg gewesen und war mit dem Zug nach Essen gekommen und wartete schon in unserem Hotel auf uns. Sie hatte angerufen, wo sie denn etwas zu Essen in der Gegend finden würde. "Etwas zu Essen" - ich fragte mich, ob meine Schwester denn gar keine Angst habe vor Vergiftung. Wir machten unterwegs einen Halt an einer Raststätte und ich weiß noch genau, wie ich meinen Vater für seinen "Mut" bewunderte, einen kostenlosen Espresso zu trinken als wir einen Kaffee-Gutschein von der Toilette bekommen hatten.

Als wir im Hotel ankamen, war Hannah in ihrem Zimmer. Ich drücke die Klinke, merkte, dass die Tür verschlossen war und Hannah fragte was los ist. Ich sagte sowas wie "Lass mich mal rein". Worauf sie sehr gereizt und ungehalten reagierte. Ich erinnere mich nicht mehr genau aber sowas wie "Was willst du? Lass mich in Ruhe geh' in dein Zimmer".

Am Abend gingen meine Eltern mit Hannah und Ursula und Bernd essen. Ich traute mich nicht mitzugehen und blieb in meinem und Papas Hotelzimmer und schaute über das W-Lan youtube-Videos an - in hoher Qualität, da mein Gigacube, den ich auch in der Klinik hatte wegen des begrenzten Datenvolumens nur niedrige Qualität ermöglichte. Als Papa spät zurückkam merkte ich wie er nicht schlafen konnte - das konnte ich übrigens auch die ganze Nacht nicht, und wie es in seinem Bauch rumorte. Am nächsten Morgen, dem Tag der Beerdigung, duschte Papa (ich traute mich nicht zu duschen) und zeigte mir, wie er einen Deostift benutzte - ich hatte ihn schon lange keinen Deo mehr benutzen sehen und ich glaube er sagte mal er verwende nur Rasierwasser. Auch dafür bewunderte ich ihn. Dann kam das Frühstück und alle außer mir bedienten sich. Ich bemerkte, dass meine Schwester zitterte. Das Zittern kam mir etwas übertrieben vor und ich vermutete insgeheim, sie hätte genauso Angst vor Vergiftung wie ich. Papa schien ganz normal, und meine Mutter sowieso, weil sie generell vor gar nichts - und schon gar nicht vor Zyankali - Angst hatte. Es gab ein Raucherzimmer im ersten Stock, das ich oft in der kurzen Zeit benutzte - ich war allein. Mir ging aber der Tabak aus - ich hatte auch beim Rauchen vor Zyankali Angst, trotzdem rauchte ich ununterbrochen, um mich zu beruhigen. Papa und ich versuchten zunächst am nahestehenden Zigarettenautomaten unser Glück - vergeblich. Also bat ich Papa, mich zum nächstgelegenen Aldi zu fahren. Er sagte: "gut, aber schnell". Er parkte auf dem Aldi-Parkplatz und sagte ich solle schnell allein reingehen. Dort im Aldi Nord gab es zwei Sorten Tabak, wie bei unserer Norma. Ich kaufte zwei unterschiedliche und ab ging die Post zurück zu unserem Hotel. Von dort fuhren wir zu viert zum Friedhof - im Anschluss sollte es ein kleines Kaffeetrinken bei Kuhlmann (Omas "Stammlokal") geben. Wir trafen alle (es waren so ca. 20 Personen) vor der Friedhofskapelle und gingen hinein. Annemarie Lahutta setzte sich zu uns - genauer vor uns und hustete ab und zu. Der Sarg war vorne aufgebahrt - er war geschlossen. Der Pfarrer sprach ein paar Worte. Einer der Sargträger hustete kurz. Dann ging der Beerdigungszug zum Grab. Ich kämpfte mit den Tränen und sah meine Schwester an, der es ebenso ging. Als der Sarg versenkt worden war, ergriff mein Vater das Wort und schilderte kurz in Tränen wie Oma noch in der Levinstraße gewohnt hatte. Dann war die Beerdigung vorbei und wir trafen uns alle bei Kuhlmanns. Dort saß ich an einem Tisch mit Mama, Hannah, Marlies Duscha, Bernd, Peter und Bärbel Wilhelmi. Papa und Ursula saßen am andern Tisch. Es gab vornehm belegte Brötchen mit Rindfleisch usw.. Bernd griff sich ein Brötchen, schaute mich lachend an und sagte "garantiert zyankalifreie Brötchen". Ich aß nichts, alle anderen schon. Ich unterhielt mich mit Marlies, die mir sehr sympathisch vorkam - ich hatte sie schon mindestens 20 Jahre nicht mehr gesehen und ganz anders in Erinnerung. Am Schluss des Zusammentreffens blies Bernd drei Kerzen aus, hustete meine Mutter an und umarmte sie dann. Dann fuhren wir zu viert zurück nach Nürnberg. Auf irgendeiner Raststätte kaufte meine Schwester für sich ein Gerolsteiner-Wasser, dass sie auch trank. Meine Mutter hatte in der letzten Zeit öfters Gerolsteiner-Wasser für ihre Gäste gekauft. Auf dem Rückweg unterhielten wir uns z.B. über den Breitbandausbau und das, was Markus Söder dafür mache. Meine Eltern ließen mich bei der Uni-Klinik aussteigen und das war dann auch die Beerdigung meiner Oma.

Irgendwann kam ich auf den Trichter, dass ich durch das Rauchen nicht mit Zyankali vergiftet werden könne. Papa hatte lachend gesagt (obwohl er wohl auch keine Ahnung hat) "Zyankali rauchen? Das geht nicht.) In weiterer Überlegung führte ich meinen "Zyankali-Moment" im Haus Rafael auf das Leitungswasser aus meinem Waschbecken zurück - da wurde etwas "zwischengeschaltet".

Zu dieser Zeit legte ich meine gekauften Getränke (immer 2 Flaschen pro Tag) in dem Schrank irgendwie so zurecht, dass keiner sie "austauschen" konnte, ohne dass ich etwas merkte. Ziemlich bald kam ich auf einen "Trick": Einfach mit Edding die Flaschen kennzeichnen. Erst durch irgendwelche Markierungen auf den Flaschen doch dann kam ich schnell darauf, dass es viel effektiver ist, wenn ich einfach auf die Flasche mit Edding ein "Autogramm" schreibe, also die Unterschrift - die kann man nicht so einfach fälschen und so hatte ich die Garantie, dass die Flaschen "frisch aus dem Supermarkt" kamen. Das habe ich mir seitdem angewöhnt und mache es bis heute. Natürlich sieht das nach einer Psychose aus, aber es bringt für mich enorme Erleichterung für mich mit.

Im Uni-Klinikum auf der P31 hatte ich immer auch Psychologen-Termine. Ich hielt Frau Kämpf eigentlich für sehr fähig. Ich erzählte ihr von meinen Vergiftungsängsten und sagte, ich glaube mein Vater habe mit der Vergiftung irgendetwas zu tun gehabt. Da sagte sie: "Ist es nicht so, dass Eltern lieber selber sterben, als dass das Kind stirbt?". Diese Aussage hat mich eine Zeit lang etwas beschäftigt.

Bei der Chefarzt-Visite sagte Kornhuber einmal auf meine Angst, jung zu sterben oder gerne generell zu sterben: "Schauen Sie sich die Sterne an. Das Licht ist Milliarden Jahre alt. Was ist dagegen ein Menschenleben?" Genau denselben Satz also "Schau dir die Sterne" an sagte später nach der Klinik Ursula zu mir.

Bald darauf wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Mein letztes Treffen mit Dr. Lenz war in meinem Doppelzimmer. Als ich ihn nach dem Tod durch Zyankali fragte, sagte er, er sei kein Giftexperte, aber das gehe auf die Zellatmung - er glaube so ein Tod sei ziemlich grausam und rieb sich dabei die Nase.

Haus Rafael 2017

Dann wurde ich unspektakulär entlassen. Meine Eltern und ich waren im großen Aldi in der Henkestraße einkaufen. Da kam ein älterer Mann nahe an uns vorbei und sagte leise "Papa, Papa".

Zurück im Haus Rafael hieß es dann von Frau Quehl ich müsse die Tabletten ab so fort "unter Aufsicht" einnehmen. Ich war der einzige im ganzen Haus. Ich habe in der gesamten Zeit im Haus Rafael nie gesehen, dass jemand anders aus der Tablettenbox seine "Medis" je eingenommen hat. Das war eine der großen Merkwürdigkeiten am Haus Rafael, die für mich bis heute ungeklärt blieb.

Frau Quehl meinte zu den Tabletten ich hätte neues Risperidon-Tabletten in meinem Blister aus der Apotheke: "kleine weiße". Die Tabletten waren mir unsympathischer als die rosanen, die ich eben die ganze Zeit in der Klinik genommen hatte. Ich hatte vor den Tabletten solche Angst - eben vor Zyankali, dass jede Tabletteneinnahme für mich zur Qual wurde. Irgendwann in dieser Zeit, begann ich mit den Tabletten rumzutricksen - sie nicht in den Mund zu schmeißen, sondern irgendwie daneben. Einmal telefonierte ich nach der Tabletteneinnahme mit Ursula, die die Jahre zuvor immer gesagt hatte, sie sehe im Fernsehen keine Gesten. Sie hustete schrecklich als ich sie das Telefon abnahm und sagte auf meine Todesängste hin dasselbe wie Prof. Kornhuber kurz zuvor: "Schau dir die Sterne an - Milliarden Jahre alt - was ist dagegen die Dauer eines Menschenlebens."

Einmal kam Mama kurz vor der Tabletteneinnahme und ich sagte, ich müsse meine Tabletten noch nehmen. Da saß Herr Braun und las ein Buch. Meine Mutter blieb im Hintergrund als Herr Braun sagte: "Und nicht wieder tricksen". Also nahm ich die Tabletten alle regulär ein. Dann gingen meine Mutter und ich vorne raus aus dem Haus Rafael und ich spürte etwas in den Gliedern (in den Beinen) und schilderte ihr meine Angst und dass die Tabletten - vor allem die kleinen weißen. Heute weiß ich, dass sie es auch gespürt haben musste, da es nicht durch die Tabletten kam, sondern durch die Luft (ich würde es als "Zyaniddämpfe" bezeichnen) VOR dem Haus Rafael.

Das mit den Dämpfen passierte jetzt öfter. Immer nach der abendlichen Tabletteneinnahme bei der "Bereitschaft" ging ich rauchen. Als die Dämpfe in meinen Gliedern wirkten (ich schob es noch auf die Tabletten - es fühlte sich an so wie ich mir vorstelle, dass Zyankali sich anfühlt) kam Stefan Hunner raus auf die Terrasse, rauchte und hustete, sodass sein ganzer Leib bebte - er war ein Mann von 190 kg, kam aus Postbauer-Heng und sagte mir, er sei im Frauentorgraben ein bekannter Freier gewesen. Dann hörte ich Krankenwagen-Sirenen. Das verstärkte meine Angst - irgendwann hörte aber die Wirkung der Dämpfe aber auf und ich beruhigte mich und ging rein und schlief.

In dieser Zeit im Haus Rafael duschte ich mich nicht - nur alle paar Tage und dann nur Katzenwäsche. In der P12 war mir nämlich nach dem Duschen ca. zwei Mal komisch geworden (hämmernder Puls) - ich schob das damals darauf, dass in der neu gebauten P12 irgendwas an der Wasserzuleitung zur "zwischengeschoben" wurde. Einmal duschte ich, als Mama da war, um rauszugehen und kurz danach wurde mein Blutdruck gemessen, der viel zu hoch war. Der Krankenpfleger bemerkte es, ließ uns aber trotzdem raus und Mama sagte dann bei dem Blutdruck habe uns der Krankenpfleger gar nicht rauslassen dürfen. Auch meine Zähne putzte ich nur alle paar Tage, wenn es gar nicht mehr anders ging.

Im Haus Rafael begannen die anderen immer zu mir "Morgen" zu sagen. Das war natürlich jeden Tag so, aber ich dachte mir dann immer morgen passiert's, morgen werde ich vergiftet und bin tot.

Meine Mutter besuchte mich und wir kauften in der Norma ein, u.a. Weihnachtsmandeln. Die aßen wir bei mir im Zimmer und ich hörte ein "Ploppen" wie von einem Lautsprecher aus der Decke, meine Mutter bemerkte das nicht. Plötzlich bekam ich links oben, da wo der Zahnarzt Dr. Halbig tief gebohrt hatte, leichte Zahnschmerzen. Ich sagte zu meiner Mutter, ich habe auf einmal Zahnschmerzen. Ich weiß nicht mehr was sie sagte. In den Folgetagen wurden die Zahnschmerzen genau an dieser Stelle heftig. Es tat so weh! Ich dachte mein ganzer Kopf explodiere. Ich hatte schon kapiert, dass das irgendwie über die Luft kommt. Deshalb ging ich aus meinem Zimmer raus an die frische Luft, aber es war schon ganz schön kalt draußen. Die Schmerzen kamen auch nachts und so ging ich vor das Haus Rafael. Eines abends kam dann, als ich eine Zeitlang draußen war, um mich von den Schmerzen zu erholen, Sebastian Jahn raus, der frisch ins Haus Rafael gekommen war - meine erste Begegnung mit ihm war draußen auf "meiner" Bank wo er eine Schaufel in die Erde stieß (in meiner Verwirrung dachte ich, wie zu einer Beerdigung) und kurz herumgrub. Er sagte "Abend", und so dachte ich heute abend wäre ich tot. "Wie praktisch", dachte ich kurz nach dieser Begegnung, zu meiner Arbeit gehe ich über eine Eisenbahnbrücke und bei diesen Schmerzen könnte es ja zufällig sein, dass mich einer vor den Zug wirft. Selbstmord also. Das erzählte ich am folgenden Tag meiner Mutter. Jahre später meinte meine Mutter dazu, dass sie sich die Zahnschmerzen auch nicht erklären haben könne - ich hätte wohl eine Erkältung gehabt.

Zu dieser Zeit dachte ich noch, man ließe nach meinem Tod meine Leiche vielleicht verschwinden und ich würde vielleicht nie eine Beerdigung bekommen oder ein Grab, ich werde vielleicht einfach als "vermisst" gelten. Das kam vielleicht auch daher, dass Ursula und Bernd mir erzählt hatten, dass der Enkel von Hilde Brunnert samt seinem Auto verschwunden war - ich fand eine entsprechende Vermisstenmeldung im Internet - und Ursula meinte, den haben sie umgebracht und das Auto wahrscheinlich nach Polen verkauft.

Es war November oder Dezember und meine Eltern waren nicht da. Zum "Sechs-Wochenamt" meiner Oma nach Essen gefahren. Am Wochenende vor ihrer Abfahrt war ich zuhause gewesen, ganz in meinen Ängsten vor dem Tod gefangen. Beim Abschied hatte mein Vater Tränen in den Augen. Sie liefen mit mir zur Straßenbahnhaltestelle "Schleßwiger Straße". Mein Vater - den Tränen immer noch Nahe - verabschiedete sich von mir so, als sei es für immer. Meine Mutter bemerkte das alles nicht.

Kopfklinikum Ende 2017

Wahrscheinlich am nächsten Tag bekam ich so Panik, dass ich heute vielleicht tot sei und verschwinden würde, dass ich mir sagte, ich will nicht einfach verschwinden ich will - wenn schon vergiftet - in der Klinik sterben und eine ordentliche Beerdigung bekommen. Ich dachte an beide Kliniken (Europakanal und Kopfklinikum) und machte mich mit dem Bus auf. Auf dem Weg zur Haltestelle machte ein Mann gerade die Rasenfläche beim Beck. Er hatte zwei große rechteckige Plastikbehälter bei sich stehen und so dachte ich, ich werde vielleicht - mit den Füßen im Zement - irgendwo im Fluß versenkt. Also fuhr ich - das war alles sehr spontan und von Angst getrieben - mit dem Bus los zunächst zum Kopfklinikum und ging dort in die Notaufnahme. Da hieß es ich müsse warten, bis ein Arzt komme. Ich wartete 1 ? Stunden und in dieser Zeit malte ich mir aus, was wäre, wenn sie mich nicht nähmen und spielte schon mit dem Gedanken ins Klinikum am Europakanal zu fahren. Dann wurde ich aufgerufen und die Ärztin war zunächst sehr abweisend, was meine Aufnahme belangte. Ich versuchte, sie zu überreden, log sogar, es bestehe Selbstmordgefahr. Irgendwann sagte sie OK, wir können Sie aufnehmen, aber nur auf die Privatstation P31. Wie glücklich und erleichtert ich auf einmal war!!

Auf der P31 hatte ich ein Wiedersehen mit Maximilian Schorah auf meinem Zimmer. Der sah jetzt ganz anders aus. Nicht mehr diese bonzigen Klamotten sondern ganz normale Kleidung - er schien auch deutlich aufgeheitert. Warum er in der Klinik war, fragte ich mich und ihn nicht. Seine Narben an den Handgelenken waren geheilt aber immer noch zu sehen. Ich unterhielt mich mit ihm und er sagte am 21. November - ich erinnere mich noch genau - unter anderem an seinem Studienort Newcastle in England sei er immer gemobbt worden. "Newcastle" - das war genau meine Adresse in Irland gewesen, nämlich "Sunny Oak, Newcastle Upper, Crossabeg, Co. Wexford". Am 21.11.11, ich hatte es mir wegen dem Geburtstag meiner Mutter am 20.11. gut gemerkt, war laut Todesanzeige (Condolences) bei WexfordPeople.ie mein Gastvater Paul Murphy gestorben. Und ich war dort, man kann es auch so ausdrücken "gemobbt" worden. Dann erzählte mir Maximilian, der jetzt ganz cool war, er werde jetzt eine Lehre als Schlosser machen. Er spielte jetzt immer in unserem Zimmer "World of Warcraft" - laut mit PC-Lautsprechern - sodass ich ihn öfter bitten musste, die Lautsprecher auszumachen. Als wir in unseren Betten lagen, spürte ich etwas in meinen Hoden. Genau als das Spüren anfing, zog er deutlich hörbar, die Nase hoch.

Einmal lag ich Nachmittags im Bett, als über mir - sehr ungewöhnlich für den obersten, dritten Stock des Klinikums deutlich hörbar, ein Stuhl rückte. Plötzlich zuckte mein rechtes Augenlid. Das dauerte so eine halbe bis eine Minute. Ich fühlte mich sofort daran erinnert, dass ich das schonmal hatte. Ich denke, vielleicht im Jahr 2000. Einmal bei Anita und Anwar in der Wohnung, bei denen wir häufig zu Besuch waren, am Essenstisch und einmal bei uns zuhause am Küchentisch. Ich weiß noch genau, dass ich das, als es damals passiert war, als eine Art Wachstums-Nebenwirkung abgetan hatte. Als das aber im Kopfklinikum passierte, "schöpfte ich Verdacht". Plötzlich kam alles, was mich bis dahin in meinem Leben gequält hatte, vor allem meine "Würmer", in einen anderen Kontext. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Die "Würmer" waren nicht zufällig gekommen, ich somit kein zufälliges Opfer. Nein, ich war gezielt mit ihnen infiziert worden. Ein entscheidender Moment, ein "gamechanging"-Moment, war das und für mich und mein Denken im Nachhinein sehr positiv. Diese Wirkung auf mich war aber bestimmt nicht beabsichtigt gewesen.

Dann war ich zum wöchentlichen Gespräch bei Frau Birgit Kämpf, der sehr fähigen Psychologin auf der P31. Ich schilderte ihr natürlich meine Vergiftungsängste, die Angst vorm Geheimdienst und meiner Ambivalenz gegenüber meinem Vater, der wie ich damals dachte, irgendwie in die Sache "verstrickt" sei. Sie sagte darauf, was mich in der Folgezeit auch sehr beschäftigt hatte, dass eigentlich alle Eltern lieber selber sterben würden, als dass das Kind stirbt. Immer wenn ich an meinen Vater dachte, verwirrte mich diese Aussage. Heute denke ich, dass das wahrscheinlich für kleine Kinder gilt, nicht wenn die Kinder schon länger erwachsen sind.

Noch ein anderer Aspekt des Klinikaufenthalts fällt mir ein: Ich hatte sehr viel Angst, obdachlos zu werden. Es hing wohl mit meinen häufigen Klinikaufenthalten zusammen und der dadurch wahrscheinlich gewordenen Kündigung durch das Haus Rafael, es drehte sich wohl auch um eine Depotspritze, die ich nehmen sollte, um einer Kündigung zuvorzukommen. Vor der Depotspritze hatte ich aber eine Menge Angst. Jedenfalls schrieb ich meinem Betreuer Georg Bulkuta eine Mail, in der ich ihn bat, mich bei einer Wohnungssuche zu unterstützen und er wiegelte ab, dass ihm leider keine Zeit bleibe, mich bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Auf meine Befürchtung hin, dass ich keine Wohnung fände, schrieb er, dann bleibe nur noch das Obdachlosenheim. Das seien Mehrbettzimmer im "hygienisch gewöhnungsbedürftigen Zustand". Ich solle die Depotspritze akzeptieren. Dieser Umstand machte eine weitere Belastung für mich aus. Die Angst, ins Obdachlosenheim zu kommen, trieb mich so um, dass ich Maximilian Schorah davon erzählte. Er meinte darauf ganz cool: "Nie im Leben kommst du ins Obdachlosenheim." Ich fragte, warum er das glaube und er antwortete ebenfalls cool: "Weil deine Eltern dich lieben." Das beruhigte mich damals aber nur bedingt und ich redete mit meiner Mutter die ganze Zeit darüber. Auch meine Mutter war bekümmert.

Ich hatte noch ein außerplanmäßiges Treffen mit Prof. Kornhuber, an dessen er Ende er sich von mir mit "Ciao" verabschiedete - und das hatte er nie vorher gesagt und passt auch nicht zu ihm - deshalb habe ich es mir gemerkt. Das war mein letztes persönliches Zusammenkommen mit Prof. Kornhuber.

Als ich mal mit meinem Onkel Bernd telefonierte, meinte er ziemlich scharf zu meinen Bedenken, ich werde in der Klinik mit Zyankali vergiftet: "Zyankali?! Denkst du denn dass die alle in den Knast gehen?"

Währenddessen waren meine Zahnschmerzen von Zeit zu Zeit da. Wenn sie da waren, waren sie heftig und nicht auszuhalten. Deshalb fuhr ich an einem Nachmittag nach Hause und sagte meiner Mutter, ich müsse zum Zahnarzt (in der Klinik hatte es von der Krankenschwester Sabine Banholzer geheißen, wenn ich nicht hausintern in die Zahnklinik gehe, würde ein Zahnarztbesuch von der Krankenkasse nicht bezahlt). Wir fuhren also zum Zahnarzt, der Jahre zuvor bei mir gebohrt hatte, Dr. Halbig von maxfelddent, wir machten ein Röntgenbild, auf dem nichts zu sehen war und dann wollte er meinen Zahn eineisen, ob etwas an der Wurzel nicht stimme. Die ganze Zeit über hatte ich Zahnschmerzen. Das konnte ich aus meiner Vergiftungsangst vor Zyankali aber nicht - es war für mich ein absolutes "no go". Meine Mutter war total verzweifelt und wir rückten naja, ich weiß nicht, ob man das sagen kann, unvermittelter Dinge ab. Ein paar Tage war der Spaß mit den Zahnschmerzen vorbei und sie kamen bis heute - zum Glück - NIE WIEDER. Wie schon gesagt, hatte ich den Eindruck, die Schmerzen kämen von einer Chemikalie in der Luft, die im tief gebohrte Loch, das vermutlich den Nerv beschädigt hatte, den Nerv reizte.

Es waren noch andere Leute in meinem Zimmer auf der P31 aber das scheint mir jetzt nicht so wichtig. Ich wurde so um den 10. Dezember 2017 herum entlassen.

Haus Rafael 2017/18

Dr. Lenz hatte bei einer Visite, wo auch meine Mutter anwesend war, eine Bemerkung gemacht, dass sie bereit wären, mich auf ambulant weiterzubehandeln. Das hatte ich überhört, aber meine Mutter hatte es sich gemerkt und mir gesagt, das Angebot solle ich auf alle Fälle wahrnehmen.

Also ging ich zu Dr. Lenz, in einem ein- bis zweiwöchentlichen Rhythmus. Er war ganz OK, die Treffen waren kurz gehalten (15 Minuten). Zum Abschluss des Gesprächs fragte er mich immer nach den Medikamenten, wie ich sie einnähme. Verschrieben hat mir die Medikamente immer die Ärztin des Haus Rafael, Frau Dr. Wagner-Hohenlobbese-Seydel, im Haus Rafael kurz genannt "Fr. Dr. Wagner". Für die Arzttermine bekam ich immer frei von der entweder Vormittags oder Nachmittags-Arbeitstherapie, also war das eine willkommene Abwechslung für mich. Mir Frau Dr. Wagner redete ich nur selten, sie brachte mir immer die Rezepte mit, nachdem ich zuvor ihre einfach zu merkende Telefonnummer 205070 angerufen hatte. Mittlerweile nahm ich das Risperidon in Schmelztablettenform von ratiopharm, weil das in der Klinik so angeordnet worden war. Das hieß aber auch, dass ich mich sehr häufig um Rezepte kümmern und häufig zur Apotheke musste, da eine Packung nur (ich hoffe ich erinnere mich richtig, so genau weiß ich das nicht mehr) 50 Stück enthielt und die Ärztin unter Berufung auf die Krankenkassen nicht bereit war, mir mehrere Packungen auf einmal aufzuschreiben. Heute ist das Aufschreiben mehrerer Risperidon-Packungen plötzlich kein Problem mehr. Das ständige Rezepte-Besorgen und die Apotheken-Besuche waren schon etwas stressig.

Am Wochenende war ich jetzt immer zuhause. Gefahren bin ich entweder mit dem 290er direkt vor der Haustür oder mit dem 30er nach einem 10-min.-Fußmarsch zur Haltestelle Erlangen Süd. Ich erinnere mich noch, wie ich einmal einen Fruchtquark mit meiner Mutter aß und irgendwie so eine Art "Wegkippen" (Leere im Kopf) spürte, es fühlte sich an wie Zyanid. Plötzlich rannte jemand die Treppe runter bei den Franks. Seitdem das das erste mal passierte, passierte es immer und immer wieder bei bestimmten einschlägigen Begebenheiten. Ich denke, das war immer Jonathan.+

In der - für mich stressigen Zeit - des Haus Rafael machte ich mir über Alternativen Gedanken. Meine Wohnung war weg. Also überlegte ich, zu studieren. Frau Quehl hatte gesagt, das würde durchaus gehen, sie hätten vor einiger Zeit einen "Rehabilitanten" (so hieß der offizielle Begriff für uns, da das Haus Rafael eine Reha-Einrichtung war) gehabt, der das gemacht hatte. Ich häufiger, einmal auch mit meiner Mutter, zur Uni und wollte "tuchfühlen". Ich hatte mich beworben auf das Wirtschaftsingenieurwesen-Master-Studium, war aber abgelehnt worden, da sich die Studiengänge aus Karlsruhe und Erlangen zu wenig überschneiden. Als ich mich im nächsten Jahr für das Elektrotechnik-Studium einschreiben wollte, bekam ich vom Bezirk schriftlich die Ansage, dass ich nicht zu studieren habe, weil sie dann die Maßnahme nicht mehr bezahlen würden. Ich war der während meines Aufenthalts der Einzige der studiert hatte. Die anderen hatten alle entweder nichts oder eine Ausbildung - und bekamen für den Aufenthalt meiner Meinung nach eine ordentliche Stange Geld, aber so, dass es nicht nachverfolgbar ist.

Immer, wenn ich am Morgen runterging begegneten mir immer verschiedene Leute die bedeutungsvoll "Morgen!" sagten, sodass ich in meiner Zyankali-Angst immer dachte, morgen bei der Tabletteneinnahme wäre es dann soweit. Als ich mit Manuel - so ungefähr alle zwei Wochen - telefonierte, hatte er seinen "Abschiedsgruß" verändert. Er hatte seit Beginn meiner Verwirrung 2012 - ohne, dass ich zunächst "Verdacht" schöpfte, angefangen immer Ciao, Ciao, Ciao, Ciao gesagt. Meine Mutter sagt am Telefon häufig Tschüss, Tschüss, Tschüss - das ist mir aber erst spät aufgefallen - vielleicht genau dann, als Manuel seinen Gruß veränderte. Er machte jetzt immer eine "Kunstpause" vor Beenden des Gesprächs. Und sagte dann entweder "Ciao Ciao Ciao Ciao" - was mich beruhigte und mir in etwa sagte: "In der nächsten Zeit passiert dir nichts" oder eben ein einfaches "Ciao" - was mich beunruhigte.

Ich hatte vor allem das Olanzapin (die 20mg) in Verdacht, Zyankali zu enthalten. Ich begann, morgens bei der Bereitschaft, da ich ja praktischerweise jetzt Schmelztabletten hatte, die Tabletten in den Mund zu werfen und dann später auszuspucken weil ich so Angst davor hatte, die Tabletten könnten mit Zyankali vergiftet sein. Komischerweise kontrollierte NIE jemand, ob ich die Tabletten wirklich auf der Zunge zergehen ließ. Jedenfalls war die Tabletteneinnahme immer ein Horror für mich - und das täglich zwei Mal. Ich war im ganzen Haus der einzige, der die Tabletten unter Aufsicht nehmen musste - und wie schon gesagt - überhaupt nahm. Von irgendeiner positiven Wirkung, wenn ich die Tabletten regulär nahm, spürte ich nichts, außer dass ich abends ziemlich müde war und gut schlafen konnte.

Ich hatte ein sogenanntes "Reha-Plangespräch" mit Fr. Quehl und Georg Ostenda, der mir sehr hart und unsympathisch rüberkam. Frau Quehl hatte mir vorher schon "angedroht", die Arbeitstherapie müsse gesteigert werden. Im Gespräch wurde vereinbart, dass ich ab Ende Februar 2018 voll arbeiten würde (also von 9-12 und von 13.30-16 Uhr) und ab August dann ins Praktikum ginge. Das alles wurde schriftlich festgehalten und per Unterschrift besiegelt.

Es kam die Weihnachtszeit und ich musste zunächst noch nur vormittags von 9 bis 12 Uhr in die Arbeitstherapie. Ich war eingeteilt im PC-Bereich. Ich hatte die Auswahl aus Holzwerkstatt und PC-Bereich. Peter Müller war mittlerweile im Haus Rafael - auch ihn habe ich, wie alle anderen - nie Tablettennehmen sehen.

Dann kam der Jahreswechsel 2017/18 und mein Geburtstag. Ich durfte ausnahmsweise für einen Tag nach Hause. In alle dieser Zeit hatte ich Angst vor Zyankali und ließ meine Eltern beim Trinken meiner Cola immer "vorkosten". Aber zuhause hatte ich vor der Tabletteneinnahme keine Angst und nahm alles korrekt ein - schließlich würde ich dann ja bei meinen Eltern sterben - und das wäre ja "nachweisbar".

Noch im Januar 2018 - ich erinnere mich noch genau, dass es saukalt war - sollte eine Besichtigung des Langzeitwohnheims "Bernhard-Rüter-Haus" in Dechsendorf stattfinden. Frau Quehl hatte mir angeordnet, da mit zu fahren: "Da fahren Sie mit." Aus dem ganzen Haus waren nur Stallwitz (habe den Vornamen vergessen) und Robin (hab den Nachnamen gerade nicht parat), Wir fuhren also insgesamt zu viert mit Frau Schwarz im Bus hin. Dort besichtigten wir das Haus - es war ein älterer Bau als das Haus Rafael und sehr ländlich abgelegen. Dann redeten wir mit Herrn Gärber, der dorthin gewechselt war: Er sagte, dass eigentlich niemand das Bernhard-Rüter-Haus mehr verlasse. Die Mahlzeiten würden von der Haushälterin gekocht und dann zusammen eingenommen - damals eine Horrorvorstellung für mich mit meiner Zyankali-Angst. Man dürfe nur alle zwei Wochen nach Hause und man müsse zur Arbeitstherapie in der Caritec (Montage) gehen. Und so weit ab vom Strich war das Bernhard-Rüter-Haus. Also hatte ich fortan Angst, dorthin zu kommen und schilderte das Mama, die das nicht ganz verstehen konnte.

Irgendwann kurz vor Ostern spürte ich im Bett etwas in meinen Hoden - an den Seiten in beiden Hoden. Das Gefühl wurde begleitet von einem lauten Husten von Stefan Hunner, wohl im Stock über mir. Er lief auch laut im Zimmer herum. Das war mehrere Abende hintereinander und ich versuchte, als das nach vielleicht 20 Minuten vorbei war, zu masturbieren und es gelang mir nicht immer. Aber an einem Abend spürte ich ganz stark etwas in meinem rechten Hoden. Irgendwie oberhalb des Hodens, hinten zum Po hin, es fühlte sich an, als werde eine Drüse durchtrennt. Schmerzen hatte ich nicht. Aber ich war mir sicher, OK, dein rechtes Ei ist weg. Und wartete in den nächsten Tagen, ob auch das linke Ei folgen würde, aber es passierte: Nichts. Beim Masturbieren bemerkte ich aber eine deutliche Einschränkung, es geht bis heute wesentlich schwerer als noch vor diesem Tag. Ich fühlte mich an einen Foreneintrag im wiwimaster (wiwimaster.de) aus Karlsruhe erinnert, wo sich mehrere Personen über ein Thema unterhielten. Am Ende schrieb einer - ich weiß es noch genau - "Heinis, die keine Eier haben, lassen sich von sowas natürlich abbringen." Einmal, als ich mit Bernd telefonierte, sagte dieser etwas (frei erinnert): "Da kann ja jeder dahergelaufene Heini kommen". Kurz vor den Osterfeiertagen saß zu einer Begebenheit Hr. Dorweiler direkt hinter mir am Klavier und sagte, an Ostern komme der Osterhase - "der mit den dicken Eiern".

Die Angst vor Zyankali in den Tabletten verschwand von einem Tag auf den anderen, als Frau Quehl zu mir etwas sagte (habe leider vergessen) und ich begriff, dass in den Tabletten kein Zyankali sein würde. Was ging es mir an an diesem Tag, wo ich das begriff, gut! Ich hatte noch eine Chance, zu überleben und nicht jeden Tag zwei Tode bei der Tabletteneinnahme zu sterben.

Einmal im Frühjahr 2018 saß ich auf meiner Bank im Garten vom Haus Rafael und ich dachte irgendwie über Krebs nach und dass man da psychologisch begleitet wird und dass man dann bestimmt Depressionen haben würde. Ich dachte ein bisschen über solche Depressionen nach und ging dann nach meiner Zigarette ins Haus. Dort traf ich auf Peter Müller und noch jemand anderen (vielleicht war es Stefan Hunner). Sie unterhielten sich gerade über Depressionen. Damals war ich etwas schockiert. Ich wusste ja mittlerweile, dass man keine Gedanken lesen kann. Das war das erste Mal im Haus Rafael, dass ich dachte, man könne über Töne Gedanken beeinflussen.

Als ich auf Besuch zu Hause war, saßen Papa und ich am Küchentisch und Papa räusperte sich recht leise und auf einmal fing Mama, was sie sehr gerne macht, zu pfeifen an. Da dachte ich, dass man über Töne eben solche Gewohnheiten hervorrufen kann. Richtig verwirrt hat mich das damals aber nicht.

Das mit den Tönen erinnerte mich an Sascha. Er hatte gesagt, sein Freund, der Russe, sage zu ihm die ganze Zeit "Sanyuk". Diese Aussage dröselte ich für mich so auf. Pawlow, der Russe war, hatte mit Tönen bei Hunden geforscht und herausgefunden, dass wenn man immer ein Glöckchen klingelt, wenn der Hund etwas zu fressen bekommt, irgendwann der Speichelfluss auch ohne Essen und nur mit dem Glöckchen einsetzt. Ich dachte, sowas geht bei Menschen auch, aber durch bewusst nicht wahrnehmbare Töne. "Konditionierung" nennt man sowas. "Sanyuk" - so hieß der thailändische Schnellimbiss beim Haus Rafael und Tim hatte sehr oft thailändisch gekocht - einmal kochten Sascha, Tim und ich sogar zusammen. Also dachte ich, dass mir im Haus Rafael (wegen "Sanyuk") etwas passieren würde.

Eines Tages war plötzlich Schockstarre nachmittags als ich runterkam, alle liefen mit einem ganz betretenen Gesicht herum und ich sah Frau Schwarz, wie sie auf Kevin Guha einredete - sie sagte, sie müsse jetzt wohl oder übel die Polizei rufen. Ich fragte die anderen, was passiert sei. Man erzählte mir, Kevin habe Jens Liesegang ins Gesicht geschlagen. Die Polizei kam und nahm Kevin mit. Später hieß es, Kevin sei zuhause aber vom Haus Rafael gekündigt worden. Ich war schockiert - und der frühere Chef des Haus Rafael, Rainer Gärber hatte noch beim Besichtigungstermin des Haus Rafael gemeint, eine Schlägerei hätten sie noch nie gehabt. "Wo bin ich hier hingekommen?" dachte ich mir. Einen Tag später oder so ging ich raus zum Rauchen vor die Tür und Jens Liesegang lief hinter mir her und ich hatte plötzlich ganz kurz das Gefühl, ihm ins Gesicht schlagen zu wollen. Ich war schockiert über mich. Ein paar Tage später kam dann eine Neuaufnahme von einem Typen, dessen Namen ich vergessen habe und der Maximilian Schorah ziemlich ähnlich sah. Beim Abendessen saß er direkt neben mir. Die anderen schauten fern - eine Reality Show (Sat1 oder RTL), und plötzlich gab es in der Show eine Szene mit häuslicher Gewalt. Ich fühlte mich plötzlich anders. Komisch irgendwie. Und dann kam der Neue und setzte sich direkt neben mich an die Stirnseite des Tisches. Mir war irgendwie unwohl, obwohl ich natürlich rein gar nichts gegen ihn hatte. Ich hatte das Gefühl, ihn zu schlagen. Noch dazu stand er auf, um sich essen zu holen und hatte seine Hände zu Fäusten geballt. Die nächsten 15 Minuten des Abendessens fühlte ich mich so unwohl. So unwohl, dass ich meinen Eltern und Dr. Lenz davon berichtete. Meine Mutter lachte und sagte, selbst wenn ich ihn schlage, sei das kein Problem. Mein Vater sagte hingegen, wenn so etwas passiere, hieße es über mich, ich sei "unberechenbar". Ich hatte Angst vor der Forensik (von der Forensik war ständig die Rede und Frau Quehl und Frau Schwarz wechselten dorthin, außerdem Immanuel Lisson [altes Buch] immer vom "F-Bau" gesprochen und gesagt, er hoffe, da nicht hinzukommen). Als ich Lenz davon berichtete - ich habe meine Gefühle bis ins Detail geschildert - , meinte dieser auch das, was meine Mutter gemeint hatte, sagte, dass wenn so etwas passiere dann würde ich wohl aus dem Haus Rafael rausfliegen aber das wär's dann auch gewesen. Also war ich beruhigt, und der Neue setzte sich bei den Mahlzeiten in den folgenden Tagen weit weg von mir hin, und verschwand kurze Zeit später ganz aus dem Haus. Er sei zu seiner Mutter zurück, sagte Herr Braun. All meine Empfindungen führte ich auf Töne zurück, die ich unbewusst gehört haben musste.

Im Februar 2018 war die "AT Lebenspraxis" mit Antje Junghänel gestartet. Zunächst war nur der Hausputz dran, dann kochten wir. Wir machten immer einen Wochenplan und gingen jede Woche in unterschiedliche Geschäfte einkaufen (wir machten u.a. einen Preisvergleich für Grundnahrungsmittel). Während der Kochphase hatte ich noch überhaupt keine Angst vor den Küchengeräten (z.B. Messer etc.) Die "AT Lebenspraxis" ging immer von 9-12 Uhr, nachmittags war ich ab Ende Februar dann ganz normal im PC-Bereich. Ziel der "AT Lebenspraxis" war es, vom Fremdversorger, der jeder anfangs war, zum Selbstversorger zu werden. Der Unterschied lag erstmal in der Versorgung: Ein Fremdversorger bekam Frühstück, Mittagessen und Abendessen komplett gestellt. Frühstück und Abendessen immer im Haus (es wurde von der Küche im nebengelegenen Altersheim gestellt) und Mittagessen (bei dem ich kein einziges Mal war, aus Angst vor Vergiftung) drüben im Altersheim. Der weitere Unterschied war das Finanzielle: Man bekam als Selbstversorger zum zusätzlichen Taschengeld (ca. 110 Euro) nochmal über 120 Euro dazu. Ausgezahlt wurde monatlich in bar. All das und auch das Haus Rafael wurde vom Bezirk Mittelfranken bezahlt. Insgesamt kostete ein Platz ca. 2000 Euro pro Monat.

Als Fremdversorgter musste man sich jede Woche freitags in der "Großrunde" für Dienste einteilen lassen. Eigentlich sollten die Dienste immer wechseln - man wurde zu zweit je Dienst eingeteilt - aber die Praxis sah dann anders aus. Ich hatte so gut wie jeden Dienst einmal erledigt und fand den Frühstücksdienst für mich am passabelsten. Meine Partnerin dabei war ausschließlich Christine Seebohm, die mir recht sympathisch schien aber die im übrigen nie in der Arbeitstherapie war. Später, als die "AT Lebenspraxis" vorbei war, musste man nicht mehr zum Frühstück und Abendessen erscheinen und man musste auch die Fremdversorger-Dienste nicht mehr täglich machen. Man hatte stattdessen einmal in der Woche den SV-Putzdienst. Das hieß: Abends um 9 (ich machte es häufig früher, weil ich zeitig ins Bett gehen wollte) die Küche säubern und das dauerte schonmal eine dreiviertel Stunde, je nachdem, ob der Kühlschrank und Backofen saubergemacht werden musste. Je nachdem, wer mit mir putzte (Maximilian Baron war mit mir eingeteilt und war so gut wie nie zugegen), musste ich - pflichtbewusst wie ich bin - auch mal den ganzen Dienst alleine machen.

An Ostern 2018 war ich zuhause. Ich erinnere mich noch genau, wie ich Mama fragte, wie man einen Menschen, der unter einer Psychose leidet, am besten umbringen würde und Mama, die ja sonst wenig kapierte, sagte ganz klar und bestimmt: "Selbstmord". Von da an hatte ich Klarheit , worauf alle hinauslaufen sollte. Das war sehr gut. Am Abend dieses Tages war ich noch mit Papa zu Fuß unterwegs zur Aral-Tankstelle in Thon, als wir zurückkamen sagte uns Mama, in den Nachrichten habe Barbara Hahlweg ununterbrochen gehustet.

Es muss das Frühjahr 2018 gewesen sein, da hieß es plötzlich, meine Bezugsbetreuerin Frau Angelika Quehl würde weggehen. Überhaupt wechselte im Haus Rafael sehr sehr oft - für mich eher unangenehm, da man sich auf nichts einstellen konnte - das Personal. So war Fr. Richter (ich weiß nicht mehr, ob der Nachname stimmt) schwanger, Herrn Gärber vom Infogespräch habe ich gar nicht mehr erlebt, dann kam als Chefin Fr. Schäper, dann Hr. Dorweiler (der im alten Haus Rafael in Büchenbach bereits Chef gewesen war) und dann Fr. Dennerlein. Jedenfalls verabschiedete sich Frau Quehl, die einen Job in der Forensik angenommen hatte mit den Worten: "vielleicht sehen wir uns ja wieder". Nachfolgerin von Frau Quehl war Frau Ellena Baier, eine gehbinderte Frau. Außerdem hatte sie eine Art verkrampfte linke Hand.

Kurz vor Ende der "AT Lebenspraxis" war Nikolai Beyer für ein bis zwei Tage beim Kochen dabei. Er hatte einen komischen Gesichtsausdruck. Plötzlich war er nicht mehr im Haus Rafael auffindbar und Antje und alle anderen machten sich Sorgen. Dann kam die Polizei ins Haus und es hieß, Nikolai habe Selbstmord begangen. Es gab ein Krisentreffen im Haus mit allen Bewohnern, einen Gedenkgottesdienst und es wurde ein Baum für Nikolai gepflanzt, der fortan immer bewässert werden musste.

Als die "AT Lebenspraxis" im Juli endete, hieß es zunächst, es sei nicht sicher, ob ich den SV-Status bekäme. Und das nach 5 Monaten Arbeit. Dagegen protestierte ich und erzählte das meiner Mutter, die meinte, ich würde den Status schon bekommen. So war es dann auch.

Sehr häufig beim Einschlafen hatte ich in meinem Bett jetzt das Gefühl des "Wegkippens" oder mein Körper zuckte. Ich schob das wieder auf Stoffe in der Luft.

Weil für mich eindeutig war, nachdem was Mama an Ostern gesagt hatte, dass es sich bei meinem Fall um einen gefakten Selbstmord handeln würde, fing ich an einem Wochenende im Juli an, mir Gedanken darüber zu machen, das Handy unter der Woche zu Hause zu lassen - so machte ich es dann auch und das ging über ein halbes Jahr bis zu meinem Wechsel in der WG so. Kein telefonieren unter der Woche, nur sporadischer Kontakt per E-Mail. Ich hatte meine Tabletten aufs Zimmer bekommen und dachte immer an das, was im Bezirksklinikum Oliver Mosebach immer gemurmelt hatte, als ich im Bett lag - er sagte immer "Jetzt schläft er" - das fand ich damals schon merkwürdig. Also dachte ich man mache mit mir einen Selbstmord mit Tabletten.

Dann waren meine Eltern auf Besuch in Nordirland und Oliver Mosebach hatte von seinem Traum erzählt, in Irland mit seiner Freundin ein Café zu eröffnen und Sascha hatte mit mir sein Lieblingsgetränk aus Irland eine Art Baileys getrunken. Ich hatte während der Zeit des Urlaubs wahnsinnig schiss, dass es das jetzt gewesen wäre und ich im Bett vergiftet werde. Das "Wegkippen" war von Zeit zu Zeit weiter da. "Jetzt schläft er".

Dann, Ende August, stand das Hausmeisterpraktikum an. Zunächst freute ich mich darauf - mal was anderes als die öde Arbeitstherapie.

Das Praktikum begann in den ersten Tagen gut, ich musste vor dem Altersheim den Weg kehren und hatte danach frei. Dauern sollte das Praktikum von 8-12 Uhr. Dann aber wurde es schlecht, mein Chef Larry Rojas und der andere, Manfred, stressten mich, ich würde nicht gescheit kehren, sollte an Steckdosen rumfummeln usw. und feuerten mich nach ca. zwei Wochen. Ein Ereignis hat sich mir eingebrannt, einmal waren wir, um neue Bettgestelle zu bringen, im achten Stock des Altersheim. Im Gemeinschaftsbereich war ein Balkon - weil ich nichts zu tun hatte ging ich auf diesen Balkon und merkte, dass das ganze doch recht hoch war. Vor dem Balkon war ein Gitter, und ich fasste es an um zu prüfen, ob das so ein Gitter war, wie im Bezirksklinikum, das davor schützte, dass Leute runterspringen. Aber dann bemerkte ich, dass es nur aus Nylon war. Und plötzlich schoss mir der Schock in die Glieder. Ich hatte Angst, runterzufallen. Ich schob den plötzlich Schock wieder auf hochfrequente Töne, aber so richtig beruhigte mich das nicht. Danach waren Larry und ich noch im 5. Stock und da hatte ich nicht diese Angst.

Im Haus Rafael musste man immer in Gruppen mitmachen: Zur Wahl stand die Gestaltungsgruppe oder die Jogginggruppe. Doch vor der Gestaltungsgruppe Montag nachmittags im 9. Stock des Altersheimes stattfand, hatte ich Bedenken. Deswegen wechselte ich in die Jogging-Gruppe, die aber zweimal die Woche - jeweils nach der Arbeitstherapie stattfand. Das war recht stressig. Aber während man im Praktikum ist, musste man an diesen Gruppen nicht teilnehmen.

Als ich in dieser Zeit mal nach Hause fuhr, begegnete ich nur meiner Schwester - meine Eltern waren nicht da. Sie fragte mich, was ich zuhause mache und sagte dann auf meine Erklärung hin mit einem komischen, gewinnerhaften Lächeln im Gesicht: "Achso, du bist auf dem Sprung". Ich erinnerte mich an das Kopfklinikum 2015, da hatte sie mich mal auf der P31, im dritten Stock, wo ich auch Angst hatte, runtergestoßen zu werden, besucht, und hatte etwas über die "Brüder Löwenherz" von Astrid Lindgren erzählt. - völlig aus dem Zusammenhang gerissen. So wie ich mich erinnere, war bei den Brüdern Löwenherz ein Bruder gestorben und der andere ihm durch Suizid "nachgefolgt", indem er irgendwo runtersprang.

Herr Ostenda teilte mir also mit, dass mich der Hausmeister gefeuert habe und ich war wieder im PC-Bereich. In den Herbstferien hatte ich dann ein eigentlich einwöchiges Praktikum in der Caritas Boutique in der Mozartstraße, das aber nur drei Tage dauerte, da ich am letzten Tag frei bekam. Ich musste Laub kehren und Kleider sortieren. Das Praktikum hatte mir ganz gut gefallen, aber die Damen hatten keinen weiteren Platz für mich, da sie zu viele waren.

In der gesamten Zeit im Haus Rafael hatte ich alle zwei bis drei Wochen einen Termin in der Uniklinik bei Dr. Lenz. Vor Weihnachten fragte er mich, was ich an Weihnachten mache und ich sagte, ich fahre heim und feiere mit meiner Familie Weihnachten. Er fragte mich: "Treffen Sie da auch Ihre Schwester?" Und dann ohne irgendeinen Grund: "Denken Sie, dass Ihre Schwester Ihnen schaden will?". Als ich meinen Vater einmal fragte, wie findest du den Dr. Lenz sagte er: "sympathisch". Als ich ihn fragte, wie findest du meine Schwester, sagte er auch: "Sympathisch". Sonst sagte immer über alle Leute, wie z.B. Hrn. Besendorfer oder unsere direkten Nachbarn, die Franks, sie seien "nett".

An Weihnachten war ich zuhause - mit meiner Schwester gab es - anders als die Frage von Dr. Lenz für mich vermuten ließ - keine Vorkommnisse. Nach Weihnachten, an meinem 32. Geburtstag, war ich daheim. Es war ein schöner, eiskalter Wintertag und ich ging mit Papa spazieren und ich fragte ihn, wie ihm es gehe und er sagte: "momentan nicht gut".

Dann irgendwann im Januar 2019, hatte ich mein - ich glaube - 3-wöchiges Praktikum in den Regnitzwerkstätten, ich glaube es startete von 8-12 Uhr und steigerte sich dann auf 8-14 Uhr, inklusive Pausen. Es war eine Werkstatt für geistig Behinderte (zu denen ich ja auch zähle - mein Vater hat erwirkt, dass ich 60 % schwerbehindert bin aufgrund meiner Psychose) und ich musste zunächst Aufkleber auf irgendwelche Teile kleben, dann Schutzbrillen verpacken und am Schluss Kabel schneiden. Ich hatte eigentlich einen guten Eindruck von mir, in der Nachbesprechung - es ging um einen eventuellen Einstieg in die Werkstätten - nach dem Praktikum aber hieß es ich hätte ja überhaupt nichts zustande gebracht - also werde ich nicht übernommen. Dieses Gespräch machte mich so wütend - weil unfair - dass ich aufstand und sagte, das sei "unfair". Meine Mutter meinte, naja, da würden ja nur wirklich Behinderte arbeiten, ich solle mir das nicht so zu Herzen nehmen.

WG Hammerbacherstr. 2019

Danach blieb noch die "Montage" in der Caritec als Praktikum. Doch es stand im Februar 2019 auch mein Umzug in die WG Hammerbacherstr. (in unmittelbarer Nachbarschaft, unten im Altersheim, wohl die alte Hausmeisterwohnung). Ich hatte in der Großgruppe erfahren, dass Christine Seebohm aus der WG ausgezogen war, in eine betreute WG in Nürnberg und hatte mich aktiv nach dem Platz erkundigt. In der WG wohnte ich mit einem Christian Schirmer zusammen, der mir im Haus Rafael eigentlich gefallen hatte. Damals hatte er mir erzählt, er habe noch nie gearbeitet. Er war offensichtlich Fan vom BVB. Er war aus der Nähe von Bamberg und wohnte schon über ein Jahr in der WG und plante bei meinem Einzug, sich jetzt um eine Wohnung zu kümmern.

Rauchen konnte man vor der WG. Das war viel ungestörter als im Haus Rafael. Christian kochte sich immer zwei Mal am Tag, er aß "zweimal warm", dafür esse er keine Snacks und Süßigkeiten. Er war - außer beim Kochen - eigentlich immer auf seinem Zimmer und schaute Netflix (man hörte es durch die geschlossene Tür) über seinen O2-Vertrag, der noch 1 MBit erlaubte. So hatte er es mir gesagt. Er ging kaum zur Arbeitstherapie und machte abends sehr häufig einen Videoabend mit (Ex-))Leuten aus dem Haus Rafael, während ich schlafen wollte. So waren Juliana Pfeiffer, Shawna McFann und Dominic Klein häufig zu Gast, aber auch Johannes Scholz. Wir einigten uns darauf, dass er die Tür zum Wohnzimmer dabei schließen würde, das machte die Sache etwas erträglicher. Christian hatte auf seiner Facebook-Seite ein großes "Misanthrop"-Logo (Menschenfeind) und Sascha hatte immer gesagt "Menschen, ich mag keine Menschen!" und dann begleitete mich noch die ganze Zeit die "Mitbewohner"-Aussage Saschas "Ich hatte mal einen Mitbewohner, der hat mit einem Tennisball geredet, ob der noch lebt?". Meine Mutter ist sehr Tennis begeistert und jetzt hatte ich in der WG ja tatsächlich etwas, was man einen Mitbewohner nennen konnte. Am Wochenende fuhr ich immer heim. Einmal lag ich abends, um mich auszuruhen in meinem Bett, da dachte ich plötzlich wortwörtlich: "Ich begehe Selbstmord mit den Tabletten". Dazu kam ein Klickgeräusch aus der Gegend von der Heizung. Ich war total schockiert und hatte Angst, das vor meinen Eltern anzusprechen, eben weil ich dachte, was denkst du denn da! Als ich eines Wochenendes zurückkam, sagte Christian zu mir, er habe die Heizung in meinem Zimmer runtergedreht, weil es so warm war. Er habe nur die Heizung bedient, sonst wolle er "nichts anfassen". Dieses "nichts anfassen" war später noch relevant, als ich längst aus dem Haus Rafael ausgezogen war. Während ich mit meiner Mutter telefonierte - ich hatte das Handy wieder - , machte er immer laute Geräusche beispielsweise mit seiner Zimmertür oder mit Töpfen in der Küche.

Es war der Mittag (nach der Arbeit in der Montage) des 20. Februar und ich hatte auf der vostel.de-Facebook-Seite einen Kommentar von Hanna Lutz gelesen "heute ist der Tag der sozialen Gerechtigkeit" und es war der Jahrestag des Todes von Alexander Beck. Christian lief hektisch in der Wohnung auf und ab und schaute mir dann auffällig auf meine Schuhe. Das wertete ich in meiner Verwirrung, in der ich mich befand, unter Druck - er vermittelte einen hektischen Eindruck - durch den Wald zu laufen und nach Hause zu fahren. Ich befand mich so unter Stress (es muss noch mehr gewesen sein, als ich jetzt erinnere) dass ich dachte, ich müsse meinen Eltern erzählen, ich wolle Selbstmord durch die Tabletten begehen. Das tat ich dann auch - am Küchentisch. Meine Eltern konnten mich aber sehr schnell beruhigen und ich fuhr am Abend zurück nach Erlangen - und nichts passierte. Ich wurde nicht vergast oder sowas - was meine Befürchtung gewesen war.

Ich fuhr in der Zeit der WG eigentlich täglich nach Tennenlohe, um frische Luft zu schnappen. Damals setzte ich mich nicht auf die Bank am Friedhof sondern besuchte nur das Grab von Alexander Beck und fuhr dann zurück. Siehst du, der ist auch schon tot, sagte ich mir dann insgeheim.

Es muss irgendwann im April gewesen sein, meine Eltern waren gerade im Italienurlaub, da bekam ich während der Arbeit plötzlich komische Mundbewegungen ("Karpfenbewegungen") und einen sehr trockenen Mund, so dass ich dachte, ich sei vergiftet. Ich sprach darüber mit Herrn Diem und der meinte ich solle mir ruhig ein paar Tage freinehmen und Menschenansammlungen meiden. Als ich einen Termin mit Dr. Lenz hatte, hatte ich die gleichen Mundbewegungen und schilderte ihm meine Angst, vergiftet worden zu sein. Er sagte OK, machen wir eine Blutentnahme. Trotz meiner Angst vor der Blutentnahme willigte ich ein und wartete draußen vor der Klinik ein oder zwei Stunden, bis die Ergebnisse da waren. Er sagte es sei alles OK und wir verabschiedeten uns. Dann lief er hinter mir her und fragte mich noch "ob ich mir etwas antun wolle". Ich sagte nein, er grinste und sagte betont "Ciao!". Also hatte ich in der nächsten Zeit eine unterschwellige Angst, umgebracht zu werden - und es werde dann nach Selbstmord aussehen.

Christian Schirmer kündigte mir an, er werde am 1.5. ausziehen. Daraus wurde nichts, er blieb bestimmt nochmal drei Wochen länger ehe er dann endgültig auszog. Mittlerweile war Sebastian Jahn "zu Gast" bei uns - er übernachtete mehrere Nächte auf der Couch im Wohnzimmer. Er war aus dem Haus Rafael raus geflogen. Einmal wurde ich um drei Uhr nachts von lautem Gerede in der Küche geweckt. Ich stand auf und bat darum, sich ruhig zu verhalten, da ich schlafen wolle. Irgendwann sagte Sebastian pointiert irgendwas mit "Ende Mai". Das habe ich behalten, damals dachte ich, also Ende Mai sei ich tot - es war Anfang Mai 2019.

Als ich Christian gegen Mitte Mai das letzte Mal sah, stand er mit dem Rücken vor mir, drehte sich zu mir um und sagte "Ciao" und ging.

Als ich ca. einen Monat in der WG alleine war, empfahl mir meine Mutter das Lesen und ich las "Die Brücke von San Luis Rey" von Thornton Wilder, was mir sehr gefiel.

Einmal in der Caritec, in der ich täglich von 9-12 Uhr arbeitete unterhielt ich mich ganz gut mit Jens Meisner, dem "Schlägertyp", den ich auch im Haus Rafael schon kennengelernt hatte. Ich sagte ihm von meinen Befürchtungen, ich werde vom Geheimdienst verfolgt, und das ginge schon seit 20 Jahren so. Da brach er den Gesprächsfaden sofort ab, hustete, und fragte mich völlig aus dem Zusammenhang gerissen, wann ich denn in meine Wohnung ziehe.

Unterdessen hatte ich vom Bezirk einen Brief bekommen, dass meine Reha-Maßnahme des Haus Rafael am soundsovielten Juni (ich glaube es war der 14. aber das spielt ja keine Rolle) enden würde. Eine Verlängerung würde nicht genehmigt. Also musste eine Wohnung her. Da ich vom Wohnungsamt noch keine Vorschläge erhalten hatte, waren wir in Verzug und mein Vater erklärte sich bereit, mit mir auf dem privaten Wohnungsmarkt eine Wohnung zu suchen. Wir besichtigten zwei kleine Wohnungen in Erlangen, Frau Baier hatte eine Wohnung in Nürnberg gefunden, auf die ich mich bewarb. Aber das wurde alles nichts. Schließlich kam doch vom Wohnungsamt ein Vorschlag der GeWoBau, nämlich in der Heinrich-Hertz-Str. 8 in Erlangen. Frau Baier und ich besichtigten sie gemeinsam. Sie war im zweiten Stock und sie war sehr schön - hatte aber keine Küche. Kurz darauf bekam ich die Zusage zur Wohnung, musste nochmal zum Wohnungsamt einen Stempel abholen und schließlich unterschrieb ich den Mietvertrag.

Eines Abends kurz vor meinem Umzug in die neue Wohnung verspürte ich plötzlich etwas in meinen Harnröhren. Ich schob das auf ätzende Dämpfe. Es fühlte sich so an, als werde da etwas ausgebrannt. Und ich hatte am nächsten Morgen braunen Urin und fühlte mich müde und abgeschlagen. Meine Eltern meinten, das sei eine Harnröhrenentzündung und ich solle - meinte mein Vater - zum Urologen gehen. Ich entschied mich aber für meine Hausärztin Dr. Clavery. Die meinte alles halb so schlimm, verschrieb mir ein Antibiotikum, und schrieb mir für die nächsten Tage eine Krankmeldung.

Heinrich-Hertz-Str. 8

Dann kam der Umzug in die Heinrich-Hertz-Str. 8. Es musste eine Küche her und mein Vater hatte ganze Arbeit geleistet und bei ebay Kleinanzeigen einen gebrauchten Herd, eine Spüle, Schränke und ein Bett mit Matratze gefunden, wir holten sie in Johannis und im Süden Nürnbergs ab. Für Spüle etc. mussten wir mit dem Auto öfter hin- und herfahren.

Zuerst bauten wir das Bett auf. Ich hatte wieder mit dem Mund so "Karpfenbewegungen" mit dem Mund. Dann in den nächsten Tagen kam Frau Baier mit dem Bus zu unserer Garage, wo wir alles zwischengelagert hatten und wir stopften alles in den Bus - ich glaube, wir mussten nur einmal fahren und waren dann den Nachmittag über damit beschäftigt, alles hoch zu tragen.

Dann fing der Treff an. Frau Baier hatte gesagt, was ich denn bis Herbst (2019) mache und dass ich irgendeine "Übergangsbeschäftigung" brauche. Der Treff ging - für mich dreimal wöchentlich, also Montag, Mittwoch und Freitag - von 9-12 Uhr und war immer sehr verwirrend und stressig für mich, da alle Leute wie nach Drehbuch über Sachen redeten, die mich selbst beschäftigten. Am Ende beim Abschied sagten die Leute jetzt immer - wenn es sehr verwirrend war - "Ciao". Auch Manuel sagte am Telefon jetzt öfter "Ciao" und nicht mehr so oft "Ciao, Ciao, Ciao". Also dachte ich, da ich jetzt in einer Wohnung im zweiten Stock wohne, man würde mich über die Luft umbringen und dann hinunterstoßen - falls ich meiner Mutter irgendwas falsches sage. So wie das mit den Fenstern aussieht, ist man nach einem Sturz tot, der zweite Stock ist viel zu hoch. Es klang mir immer im Kopf, das was Oliver Mosebach gesagt hatte, "ich wollte schon von der Brücke springen, aber das darf ich niemandem erzählen". Diese Aussage war auch bestimmt gelogen, er ist einfach nicht der Typ, der sowas macht. Was mir auch häufig auf der Heimfahrt vom Treff in den Ohren klang, als ich mich so müde fühlte (über die Luft), war "was denkst du fünf Sekunden vor dem Tod" - die Aussage von Manfred Buchner. Ich hatte und habe auch häufig diese "Karpfenbewegungen" mit dem Mund, die ich nicht kontrollieren konnte. Ich vermute, sie kommen durch irgendwelche Chemikalien in der Luft.

Besonders häufig fühle ich mich von einem auf den anderen Moment entsetzlich müde und wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich plötzlich ganz kleine, zusammengekniffene Augen. Es fühlt sich so an, als ob in meiner Cola eine Chemikalie ist, die dann irgendwie mit einer anderen Chemikalie in der Luft reagiert. Wenn ich das bemerke - es dauert dann häufig mehrere Stunden - fühle ich mich besonders verletzlich und verwirrt, und habe jeden Moment Angst, irgendetwas falsches zu sagen: Selbstmord z.B.. Meine Mutter sagt, sie bemerkt mittlerweile diese Zustände - begleitet von Karpfenbewegungen.

Deswegen sage ich immer: Selbstmord nur durch Tothungern. Und so ist es dann auch.

Im Herbst 2019 war ich zuhause. Hannah hatte sich fürs Mittagessen angekündigt. Sie saß draußen am Terrassentisch und ich bot ihr eine Cola an und sie fragte mich - wie mir vorkam etwas angeekelt, ob ich aus der Flasche getrunken habe - und trank die Cola einfach so. Dann hustete sie die ganze Zeit während des Essens. Mama kam das nicht seltsam vor, weil Hannah zuvor bereits angekündigt hatte, sie sei erkältet. Einige Monate später fragte ich meine Mutter, was meine Schwester wäre, wenn sie mir schaden wolle oder von meinem Tod profitieren würde. Sie sagte, sie wäre dann eine "schreckliche Person". Aber das überrascht mich nicht, ich habe sie mein ganzes Leben eben genau als solche wahrgenommen.

Ich las so ab Sommer/Herbst 2019 folgende Bücher: "Nemesis" und "Der menschliche Makel" von Philip Roth, "Schuld und Sühne" von Dostojewski, "Fegefeuer der Eitelkeiten" von Tom Wolfe, "Das Hotel New Hampshire" und "Gottes Werk und Teufels Beitrag" von John Irving. Alle Bücher haben sehr viel Spaß gemacht und waren, da ich ja sonst aktuell kein Ziel im Leben habe, meine "Projekte". Jetzt (kurz nach Ostern 2020) habe ich "David Copperfield" von Charles Dickens gelesen, der etwas anstrengend war, weil die Übersetzung so alt war.

Im November bin ich dann in einer Spontanaktion mit dem Flixbus für einen Tag mit Übernachtung in Jugendherberge nach Karlsruhe gefahren. Und dort dann nachts zum Labor gelaufen, wo ich im Winter 2012 nachts immer gesessen bin und dann noch zu meiner Ex-WG. Im Bus vor mir und neben mir Husten und es hat richtig gekickt! Aktuell (Ostern 2020) warte ich darauf, dieses "Abenteuer" - wie meine Mutter es nannte - zu wiederholen.

In der Zwischenzeit hat auch mein Psychiater gewechselt. Der von meiner Mutter "verehrte" Dr. Lenz bekam eine Professorenstelle in Mannheim und hat mich seinem Nachfolger, Dr. Weinland, übergeben. Beim Kennenlerngespräch sagte Dr. Lenz, er werde jetzt ein paar Sachen über mich erzählen und ich solle ihn unterbrechen, wenn etwas nicht stimme. Er sagte mit einem Grinsen im Gesicht, ich leide an einer "Schizophrenie" - das Wort hatte er vorher noch nie benutzt, hätte Angst vor Spritzen und würde "Nachrichten" von einer Ex-Freundin erhalten. Da unterbrach ich ihn und korrigierte seine Ausführungen. Dr. Weinland hörte zu. Er schien mir auf den ersten Blick wie ein Sadist - mittlerweile komme ich aber ganz gut mit ihm zu recht - er ist männlicher als Dr. Lenz.

Seit meinem Umzug wurde ich im Betreuten Wohnen der wabe durch Hrn. Johnny Ray Norris betreut. Er war etwas chaotisch - ein Country-Musiker - und wir redeten immer über Gott und die Welt (sprich: Fußball usw.). Die Treffen sollte immer eine Stunde dauern, aber da es nichts zu bereden gab, langweilte ich mich meist - und es war stressig, jede Woche meist zur wabe zu kommen. Einmal wollte ich mit ihm ins E-Werk gehen, um mich dort mal umzuschauen, da versetzte er mich. Ich stand vorm E-Werk und wartete und wartete. Später ging ich dann mal zwei bis dreimal allein ins E-Werk, durch meinen Erlangen-Pass musste ich nur die Hälfte des Ticketpreises bezahlen. Irgendwann beschloss ich - in Absprache mit meiner Mutter-, da man monatlich kündigen durfte, die Betreuung zu kündigen - was ich bisher nicht bereut habe, weil ich den Eindruck hatte, Hr. Norris könne sowieso nichts für mich tun. Das war auch seine Ansicht - er sagte, bei mir wäre ja alles von vornherein super gelaufen und ich hätte überhaupt keinen Hilfebedarf. Als ich dann kündigte, bekam ich plötzlich Post vom Bezirk Mittelfranken, meine Grundsicherung werde nicht mehr bezahlt. Also musste ich zum Sozialamt - das lief dort zum Glück alles reibungslos und so bekomme ich von der Stadt Erlangen mein Geld.

Mittlerweile (kurz nach Ostern 2020) hat mein sehr guter Freund Rainer Hennig sich an Weihnachten (ich sehe ihn immer nur einmal im Jahr eben an Weihnachten) mit einem "Ciao" nach Wien verabschiedet. Manuel hat sich beim letzten Telefonat mit "Ciao ? Ciao, Peter und bis demnächt" verabschiedet und mein Psychiater Dr. Weinland hat die letzten beiden Male, wo ich ihn in Person erlebt habe, mit "Wiederschaun, Ciao" bzw. bei den letzten Telefonaten mit "Wiederhören" verabschiedet.

Dieses "Ciao" kommt wie gesagt häufig am Ende des Treff/Caritec (wo ich mitterweile wieder arbeite, weil ich "verschoben" worden bin), bei der Aufzeichnung des Arbeitsergebnisses vor. Aber auch wenn ich einkaufen gehe, verabschieden sich die Kassierer im Aldi in der Cumianastr. häufig dann, wenn ich durch Karpfenbewegung und Müdigkeit irgendwie "angeschlagen" bin, mit "Ciao".

Überhaupt sehe ich häufig beim Einkaufen, dass die Leute vor mir in der Schlange zufällig dasselbe einkaufen wie ich oder das was ich beispielsweise gestern gekauft habe.

Wenn ich zum Einschlafen im Bett bin, kommen aus dem Fernseher knisternde Geräusche oder auch Klickgeräusche. Auch macht mein Bettgestell häufig Geräusche, die aber nicht von meiner Bewegung kommen, die aber nach "Bett klingen". Das Leitungswasser trinke ich nur ungern, weil eben Murat im Bezirksklinikum 2017 gemeint hatte, die Bullen hätten sein Wasser mit LSD vergiftet. LSD habe ich zwar noch nicht gespürt, aber ich spüre häufig etwas mehrere Stunden, nachdem ich das Wasser getrunken habe - besonders, wenn ich VIEL getrunken habe. Kochen tue ich mit dem Wasser aber schon. Trotzdem denke ich auch, dass das Wasser, das ich trinke, nicht das normale Leitungswasser ist, sondern, dass da Chemikalien vielleicht in einem großen Bottich unter meiner Wohnung beigemischt werden.

Meine Mutter ist immer der Meinung: "Was ist denn das für ein Geheimdienst, der sich jahrelang Zeit lässt, jemanden umzubringen". Und das ist der springende Punkt - man macht meinen Tod meiner Mutter "schmackhaft".

Irgendwann fiel mir das vorletzte Treffen mit Heinrich Polke ein. Er hatte nach der Prüfung, wo wir uns 2010 trafen, als wir mit dem Rad über den Campus fuhren, zu mir gesagt: "Schau mal, hier hat Heinrich Hertz die elektromagnetische Welle entdeckt. Heute sehe ich die Verbindung zu meiner Wohnung in der Heinrich-Hertz-Straße. Also denke ich, dass mir hier etwas passiert.

Während den ganzen Jahren - auch schon zur Zeit meines ersten Buches - fragte ich mich ob die Bekannte von Wolfgang, Agnes Matusiak, wirklich tot sei. Ich war mit ihr einige Tage nach meiner Infektion durch "meine Würmer" im E-Werk in Erlangen auf einer Party gewesen. Irgendwann - es muss 2010 gewesen sein - rief er mich an und sagte als allererstes, merklich schockiert und mitgenommen: "Weißt du was?! Agnes ist gestorben". Sie hätte Krebs gehabt. Damals hatte das keine große Bedeutung für mich. Aber als ich in den Jahren 2013 bis 2017 dachte, ich würde umgebracht werden, beruhigte mich das. Ich fragte Wolfgang nach Agnes und er sagte mir ihren Nachnamen "Matusiak" - sie sei auf Facebook und habe so ein schwarzes Profilfoto. Ich sprach bei einem Treffen Wolfgang darauf an, dass er und Agnes bei Facebook ja nicht befreundet seien und er meinte: "Was?! Ich dachte eigentlich schon". Ich fand keine Todesanzeige, sondern nur eine Notiz im Martinsboten, dem Kirchenblatt ihrer Gemeinde, dass eine Agnes Matusiak, die in der Reichstraße wohnte, mit 25 Jahren gestorben sei. Wolfgang sagte, er habe sie im Krankenhaus besucht, eine ihrer Freundinnen habe ihm davon erzählt und er wisse nicht, an welchem Krebs sie gestorben sei, es sei aber ein "Kinderkrebs" gewesen. Ich redete häufig mit meiner Mutter über Agnes und fragte sie immer: "Glaubst du, dass Agnes tot ist" und sie sagte einmal: "Wo soll die denn jetzt noch rumlaufen". Und einmal meinte sie: "Siehst du, das ist Psychose." Sie meinte eben, dass das Anzweifeln eines - für meine Mutter - Faktes eben Zeichen einer Psychose sei. Später meinte Wolfgang, es habe eine Todesanzeige gegeben, Vicky (eine Bekannte aus seiner Clique) habe es ihm erzählt. Sie habe etwas "gespürt" und dann sei sie zum Arzt gegangen. Diese Aussage revidierte er dann und sagte, der Frauenarzt habe ihr gesagt, dass sie Krebs habe. Einmal erzählte er, Agnes habe in einer Wohnung über ihren Eltern gewohnt. Später meinte er, das wäre nicht so gewesen, sondern sie habe in einer WG in der Brunnengasse gewohnt. Für lange Zeit abschließen konnte ich meine Verwirrung um Agnes, als ich zu Mama sagte: "Wenn ich nicht mehr auf das Facebook Profil von Agnes schaue, dann ist sie tot." Meine Mutter antwortete sehr bestimmt: "So ist es".

Eine weitere Person, die mich verwirrte, war die Tochter eines Direktors an der Schule der Freundin von meiner Mutter, die auch mich in Religion unterrichtet hatte, Anne Langenhorst. Mama hatte mir ein paar Jahre zuvor erzählt, dass die einzige Tochter des Direktors ihrer neuen Schule einfach nicht mehr aufgewacht sei. Dieses Schicksal erinnerte mich an Alexander Denk, eines Klassenkameraden von Michael Miller, der ebenfalls "nicht mehr aufgewacht" ist. Ich hatte die ganze Geschichte immer irgendwie im Hinterkopf. Als ich in meiner WG (Hammerbacherstr.) war, dachte ich einmal an Annegret Langenhorst, und beschloß mal nach ihr zu googlen - ich fand heraus, dass sie im Direktorat des Gymnasiums Wendelstein mitarbeitete und fand auch den Direktor, Dr. Johannes Novotný. Mit diesen neuen Informationen googlete ich nach "Novotný" und "Trauer" und stieß so auf die Traueranzeige einer "Felizitas Novotný". Jedes Jahr an ihrem Todestag am 14.8.2012 war eine Traueranzeige geschaltet. In der Folgezeit beschäftigte mich diese Traueranzeige sehr - ich war froh, einen Anhaltspunkt zu diesem Schicksal gefunden zu haben. Was mich an der Anzeige aber verwirrte, war dass Mama erzählt hatte Annegret Langenhorst habe gesagt: "die einzige Tochter" und dass sie "so gerne Klavier" gespielt habe. Denn laut Traueranzeige hatte sie einen Bruder Benjamin (also nicht einziges Kind) und ihre Großmutter hieß Margit Zöh. Margit - so heißt auch unsere Nachbarin und die hat sehr gerne Klavier gespielt. Als ich meiner Mutter längere Zeit später einmal die Traueranzeige präsentierte meinte sie "die sieht ja total alt aus". Genau das hatte in meiner Karlsruher Zeit mein Mitbewohner Philipp Kleinow über meine damalige Affäre, eine taiwanesische Pianistin, gesagt. Meiner Überzeugung nach sind Felizitas Novotný und Alexander Denk eben nicht "einfach eingeschlafen", sondern über die Luft getötet - sprich: vergiftet worden. Die Obduktion ist dann dadurch, dass man das Gift nicht nachweisen konnte, unauffällig gewesen.

Eine weitere Person, die mich interessierte, weil sie hübsch war, ist Michaela Kuenz, die bei einem Zugunfall 2010 mit dem "Latschander" gestorben ist. Da würde mich auch interessieren, ob sie wirklich tot ist.

Zweifellos tot (meiner Meinung nach über die Luft "spurlos" umgebracht worden) sind mehrere meiner "Idole". James Gandolfini - Hauptperson einer meiner Lieblingsserien "Die Sopranos") starb im Juni 2013 auf einem Italienurlaub in Rom. Als ich nach youtube-Videos von James Gandolfini suchte, fand ich einen Clip (https://www.youtube.com/watch?v=izMmHbHcLXU), der betitelt war "RIP JAMES GANDOLFINI - Last interview w The Legend James Gandolfini - Chance TV" mit Veröffentlichungsdatum 18.6.2013 - ein Tag bevor seinem Tod - durch Herzinfarkt in seinem Hotelzimmer. Ein Kommentar unter dem Video war: Wann wurde das Interview aufgenommen - der Veröffentlichungstermin war merkwürdig - einen Tag vor dem Tod von Gandolfini. Im zeitlichen Zusammenhang mit James Gandolfini starb Max Stadler im Mai 2013 an einem Herzstillstand. Mit Max Stadler hatte ich ein paar Jahre zuvor E-Mail-Kontakt, als es um die Vorratsdatenspeicherung ging - ich hatte ihm zu seiner Rede im Bundestag gratuliert. Weitere Tote sind vor allem Keith Flint (Sänger einer meiner Lieblingsbands "The Prodigy"), der durch Selbstmord gestorben sein soll. Dolores O'Riordan der Band "The Cranberries", deren Livevideo "Zombie" ich sehr häufig an meinem PC geschaut starb durch Unfall in der Badewanne ihres Hotelzimmers. Chester Bennington, zu dem ich keinen Bezug habe, außer dass Manfred Buchner "Linkin' Park" auf seinen Kopfhörern gehört hatte, starb durch Suizid. Avicii, zu dem ich keinen Bezug habe, starb ebenfalls durch Suizid.

Einer meiner politischen "Idole", Donald Rumsfeld, dessen häufige Videos in der gesamten Zeit bis 2017 regelmäßig bei youtube anschaute, sieht auf einem aktuellen Video mit dem Titel "Ex-President Bush Lays Wreath at Pentagon Memorial Honoring 9/11 Victims" (https://www.youtube.com/watch?v=wbfDvGdhVhc) auf einmal um Jahre gealtert aus, als werde er mit einer Substanz wie Arsen schleichend vergiftet. Ich erinnere mich noch, wie ich mich einmal über die NRA auf Wikipedia informiert habe und am selben Tag kam dieses Video von Donald Rumsfeld über das 2nd Amendment und seine Waffen auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=A-zkxx1CSr4 . Am Ende macht er eine Geste im Gesicht, der ich damals keine Bedeutung beigemessen habe, das ich aber jetzt als "Runterfallen" deute. Donald Rumsfeld müsste man, da er eventuell ein Zeuge ist, irgendwie offiziell über die Polizei kontaktieren. Er scheint nicht mehr öffentlich aufzutreten. Das halte ich für sehr wichtig, weil das ein eventueller Beweis meiner Vergiftungshypothese ist.

Eine Person, über die ich reden muss, war Hanna Lutz. Ihre Mutter hat mit meiner Mutter zusammen gearbeitet in der Schule für Kranke. Ich lernte sie 2005 kennen - zunächst bei einer Wahlkampfveranstaltung von Gerhard Schröder, da fuhr sie zusammen mit mir und Christian Krechel und Nadine Hackemer bei mir im Auto mit und redete von H&M. Im H&M im Mercado traf ich in dieser Zeit zufällig auf Luisa Zwingel, deren Mutter ebenfalls in der Schule für Kranke arbeitete. Das nächste mal sah ich sie kurz nach meinem Brasilienurlaub 2007 in der Wohnung in der Lobsingerstr. bei David Aust, da lachte sie mich aus, weil ich mir am Tag vorher beim Schlittenfahren im Marienberg eine Beule am Kopf zugezogen hatte. Ich weiß nicht, ob ich es in meinem ersten Buch geschrieben habe, jedenfalls bandelte im Sommer mit ihr an, sie hatte aber gerade einen neuen Freund. Ich hatte ein Date mit ihr und war danach in ihrer Wohnung - wir redeten und schließlich lag ich mit ihr im Bett, doch als ich es versuchte - zog sie die Reißleine und sagte: "Was mach ich eigentlich hier". Als klar war, dass nichts passierte, ging sie schließlich nach Magdeburg zum Studieren (Tim aus meiner WG hatte eine Freundin "Maja" in Magdeburg, die zufällig dasselbe, nämlich "Cultural Engineering" studierte) und ich nach Karlsruhe. Ich sah sie dann noch einmal zu Zeiten von Rock im Park 2008 im Garten von Nadine Hackemer. Da hatte sie gesagt, dass ihre Mutter sich aus der Schule für Kranke zurückziehen werde, weil die Kinder sie so ärgerten. Von da an hab ich sie nie wieder gesehen. Aber ihre Mutter rief zu jeden Ferienbeginn bei uns an. Was mir auffiel - sie fragte nie nach mir - nur nach meiner Schwester, die ebenfalls "Hannah" heißt. Sie klagte über Schmerzen im Fuß ("Mir tut der Fuß so weh"). So wusste ich, dass sie in Vancouver in Kanada studieren würde und danach mit ihrem Freund nach Mexiko ging um Urlaub zu machen. ("Eine Mexikanerin hat mich aus dem Fenster gestoßen"). Als ich dann 2013 in Xing war, suchte ich mal nach Hanna Lutz - sie hatte ein Premium-Profil, bei dem man sehen kann, wer auf das Profil zugreift - und sofort blockierte sie mich. Ich schaute noch zwei mal mit Fake-Profilen, die sie auch sofort sperrte, auf ihren Account. Warum sie diese übertriebene Reaktion zeigte weiß ich nicht, mein Vater meinte "die will nichts mehr mit dir zu tun haben". Heute denke ich, entweder ihr wurde mit Gift gedroht (eher unwahrscheinlich) oder sie hat viel Geld bekommen. Ihre Mutter traf in den Folgejahren meine Mutter in der Stadt und erzählte ihr, Hanna Lutz habe sich zusammen mit ihrem Freund eine Wohnung gekauft. Da frage ich mich schon, woher das Geld kommt. Es hieß ihr Freund habe durch seine Eltern den Hauptteil bezahlt und die Mutter habe ihrer Tochter etwas Geld gegeben. Jedenfalls schaute ich seit Februar 2019 nicht mehr auf die Profile von Hanna Lutz, weil mir das nicht guttat und tue das bis heute nur noch ganz selten. Ihre Karte, die sie mir 2007 aus Frankreich geschickt hatte, habe ich zerrissen. Von der anfänglichen Faszination für Hanna Lutz ist nichts geblieben. Falls ihr nicht mit Gift gedroht worden ist und sie von meinem Tod "profitiert" wäre es für mich spannend zu sehen, ob sie damit zurecht kommt. Geld geschenkt zu bekommen macht nämlich nicht glücklich - man muss immer noch leben. Meine Mutter hat sich diesen Absatz durchgelesen und gemeint, er sei sehr sachlich. Das gefällt mir sehr gut - so soll es sein - ich versuche jeden Gedanken an sie "abzutöten" - was aus meiner Sicht ziemlich männlich ist.

In meiner Freizeit schaue ich jede Woche die österreichische Late-Night-Show "Willkommen Österreich", auf die ich mal durch meinen Freund Manuel vor mehr als zehn Jahren aufmerksam gemacht worden bin. Nach dem Aus von Harald Schmidt ist das die einzige für mich interessante Late-Night-Show. Dadurch bin ich auch auf die österreichische Innenpolitik aufmerksam geworden. Weiter schaue ich jede Woche (seit 2011 oder so) "Augstein und Blome" - während ich überhaupt keine politischen Talkshows mehr schaue ist dieser - oft humoristische - 12-Minuten-Abriss über ein wichtiges Thema der Woche das einzige Talk-Format, das ich schaue. Mein Vater meint, das sei wie Kabarett.

Übrigens, was mir noch einfällt ist und ich nicht weiß, ob ich es schon erwähnt habe: In Karlsruhe war in meiner Orientierungsphase-Gruppe eine Eva Diess. Sie ist die Tochter des früheren BMW- und jetzt VW-Vorstands Herbert Diess. Sie war ganz cool und ich hatte den Eindruck, dass sie sich für mich interessiert.

Ich war alle zwei Tage am Grab von Alexander Beck - ich hatte ein schönes Plätzchen auf dem Friedhof in Tennenlohe gefunden - auf einer Bank. In meinen Weihnachtsferien 2019/20 kam mir der Einfall, dass er in seinem Auto mit Gift über die Luft umgebracht worden sein konnte. Ich dachte auch über Felizitas Novotný nach, die meiner Vermutung über die Luft umgebracht worden war. Und da kam mir plötzlich ein sehr positiver Gedanke in meinem schwierigen Leben: Beide waren ohne Psychose gestorben. Also hätte mir das auch schon längst passieren können. Aber jetzt, obwohl ich eine Psychose habe und mein Leben schwierig ist, kann man mich eben nicht jederzeit einfach umbringen, einfach "einschlafen" lassen. Dann heißt es: Er ist vom Geheimdienst ermordet worden - immer noch besser als einfach einzuschlafen oder an Krebs zu sterben. Bis dahin ist jeder Tag ein Geschenk!

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